20. Februar 2012 | Martina Monti

Ode an den Frost – oder warum Tauwetter nicht zu weissen Sofas passt

So unerbittlich frostig die vergangenen Wochenenden waren, so plötzlich hiess es letzten Samstag: Tauwetter marsch! Oder besser: Tauwetter Matsch! Aber bevor ich zu den sehr spezifischen Nebenwirkungen der saisonalen Klimaerwärmung für Pfötli, Mensch und Tier kommen, würde ich gerne noch für ein paar Zeilen bei der kleinen Eiszeit bleiben, die unsere Breitengrade neulich heimgesucht hat. Und ihr mein ganz persönliches Plädoyer widmen.

Denn die Vorteile abgrundtiefer Temperaturen werden gemeinhin unterschätzt. Vorausgesetzt man respektiert die Bedingungen, die sie kleidungstechnisch an uns Menschen stellt, schenkt uns die Saukälte ein ganz besonderes Frischlufterlebnis. Zum Beispiel lange Spaziergänge durch eine glitzernde Winterwunderlandschaft, die einem in ihrer horizontangrenzenden Weite ganz und gar allein gehört, weil sich ausser dir keine Socke hinter dem warmen Ofen vortraut. Kristallklare Luft zwischen stahlblauem Himmel und blendendem Weiss, durch das Mensch und Hund ihre einsamen Spuren ziehen – eine Idylle, die mir ein Deja vu meiner Polarexpedition bescherte, die ich einst im Garten meiner Eltern durchführte. Die hatten mir zu meinem sechsten Geburtstag Ski geschenkt, ein eher willkürliches Geschenk, denn die niederrheinische Tiefebene zählt weiss Gott nicht zu den schneesicheren Gebieten nördlich der Alpen und Ski fuhr in meiner Familie auch niemand. Nachdem ich aber im Fernsehen eine Dokumentation über die Expedition Amundsens zum Südpol gesehen und es kurz nach meinem Geburtstag unseren Garten zugeschneit hatte, erklärte ich meiner Oma feierlich, dass ich gedachte, nun selbst zum Südpol aufzubrechen. Für unterwegs gab sie mir eine Thermoskanne heissen Kakao mit, dazu packte ich noch eine Tüte Schweinespeck in den Rucksack, mein Opa drückte mir einen Wimpel von Fortuna Düsseldorf in die Hand, für die Beflaggung meines Expeditionsziels, dann holte ich meinen Schlitten aus dem Keller, schnallte mir die Ski unter, setzte in Anlehnung an Amundsens 54 Zughunde unseren Langhaardackel Dorle in einen Plüschkorb auf den Schlitten und brach zum Südpol auf. Die Expeditionsroute war innerhalb unseres knapp 450 Quadratmeter grossen Gartenrechtecks überschaubar: ich stapfte immer im Kreis rum, was meiner Vorstellung von einem Pol übrigens sehr entgegenkam. Aber bald bekam ich eiskalte Füsse, Dorle hatte mich bereits in der zweiten Runde im Stich gelassen und war ins Warme geflüchtet. Gegen die aufsteigende Kälte trank ich Kakao um Kakao und stopfte Schweinespeck in mich hinein bis Kanne und Tüte leer waren – und mir speiübel. Für den Rückweg in die Zivilisation wählte ich dann die direktestmögliche Route zum WC. Mein Aufgeben machte mir genauso zu schaffen wie mein Magen und der leichte Schwindel im Kopf. Vor allem aber hatte ich immer noch den Fortuna Düsseldorf Wimpel im Rücksack, den ich doch für meinen Opa am Südpol verewigen wollte. Der aber tröstete mich, dass vor mir schon ganz viele grosse Forscher an der Expedition gescheitert waren. Und so blieb mir von meiner Expedition – neben einer bis heute andauernden Aversion gegen Schweinespeck – vor allem die selige Erinnerung an die zwischen mir und meinem Hund für zwei Runden geteilte Einsamkeit eines Weges durch die kalten Weiten des Winters.

Die teilte ich in den vergangenen Wochen selbstredend nur mit den winterfesten Pfötli-Exemplaren. Zum Beispiel mit “Unterwollenwunder” Mandy, die im fünften Gang durch den bauchhohen Pulverschnee speedete, und deren Freude an den äusseren Gegebenheiten einzig durch die Tatsache getrübt wurde, dass Mäuseausbuddeln am dauergefrosteten Boden scheiterte. Oder mit Rottweiler-frieren-nicht-Basi, dem das Wetter Jacke wie Hose ist, solange nur die Flugbedingungen für Beisswürste intakt sind. Und natürlich mit dem wunderbaren Yaros, der es als sportliche Herausforderung nahm, Pferdeäpfel und Fuchsmist auch unter einer zentimeterdicken Schneeschicht zielsicher aufzustöbern und als Glace zu verspeisen. Wir alle hatten mächtig Freude an der kleinen Eiszeit, jawollja. Das musste einmal für die Nachwelt festgehalten werden – und jetzt zum Wetterumschwung von letztem Samstag.

Tauwetter ist insofern in Ordnung, als es ohne keinen Frühling gibt. Und den wollen wir natürlich alle.

Aber: man beachte die Risiken und Nebenwirkungen.

Zum Beispiel für die Pfötli-Ausläufe. Die sehen derzeit in weiten Teilen nämlich so aus:

Land unter so weit das Hundeauge blickt!

Das ist selbst dem wasserfreundlichen Labrador in Yaros alles andere als geheuer.

Die Wasserstandsmeldungen ausserhalb des Pfötli fielen zwar insgesamt weniger spektakulär aus. Doch die Bodenbeschaffenheit zeitigte einen deutlichen Einfluss auf das Exterieur von Mensch und Hund. Hier exemplarisch illustriert an Basi.

Das ist “Basi vorher”, wie ich ihn in der Box vor dem Anleinen angetroffen habe. Blitzblankesauber.

Das ist “Basi kopfüber” bei der Entnahme einer Bodenprobe aus dem freigelegten Eingangsbereich einer Mäusesiedlung. (Good news also auch für Mandy: die Grabungsarbeiten können wieder aufgenommen werden!!!)

Das hier ist Basi nach der Sondierbohrung und vor dem Anpfiff zur Beisswurstjagd. Ein noch nicht weiter bemerkenswerter Verschmutzungsgrad für einen Basi, aber bereits ein Bild des Schreckens für Menschen mit Hang zur Reinlichkeitsästhetik.

Und das ist jetzt der ganze “Basi nachher”, also nach der Mehrfacherlegung und Rückschaffung einer Beisswurst auf der Flucht. Die sah übrigens im wahrsten Sinne des Wortes keinen Dreck besser aus als “Basilinski, das Schlammmonster aus dem Pfötli”. In diesem Zustand ist einer wie er endgültig nix mehr für Feingeister des Wohn-Designs mit Sofas wie diesem.

Aber mit Sicherheit einer der bestgelaunten und glücklichsten Rottis, die an diesem Tag nach Hause zurückkehrten.

Und nur darum gehts doch beim Gassigehen. Egal bei welchem Wetter.

P.S. Nur der Vollständigkeit halber: Ich sah bei meiner Rückkehr ins Pfötli so aus (und das ist nur die untere Hälfte….)

… aber glücklich und gut gelaunt war ich auch :-)

 

4 Antworten zu “Ode an den Frost – oder warum Tauwetter nicht zu weissen Sofas passt”

  1. maria sagt:

    dieser Artikel macht auch gute Laune!! Danke.

  2. Sonja Grob sagt:

    Das kenn ich doch! Als Besitzerin eines pubertierendesn Lagotto, der nichts mehr liebt als alles, was schmutzig ist und stinkt! Der Schnee war paradiesisch, nur kleine weisse Klümpchen in seinen Locken, die irgendwann als nasse Tropfen auf dem Boden landeten. Doch dann – Matsch und herrlicher Schnutz. Aber eben, am Schluss sehen wir beide fast gleich aus und die Waschküche gleicht einem Ort, wo eine Schlammschlacht stattfand. Ein Hoch auf das Tauwetter :-)

  3. Martina Monti sagt:

    Yep, bei mir siehts nach einem Tauwetterpfötlitag auch aus, als wäre das “Monster vom Amazonas” zu Besuch gewesen. Aber ich finds grossartig, keinerlei Rücksicht auf die Klamotten nehmen zu müssen, mit dem Vierbeiner gemeinsam die berühmte “Sau” rauszulassen und hinterher auch gemeinsam so auszusehen. Und Basi ratzt mir immer unter den Händen weg, wenn ich ihn dann in seiner Box mit einem Handtuch trocken rubbel, dann lässt er sich mit seinem Rottigewicht gegen mich fallen, wird weich wie Kuchenteig, gleitet mit der linken Körperseite an meiner Wade auf den Boden, dreht sich unten angekommen auf den Rücken und grunzt mit nach hinten gerutschten Lefzen und frei gelegten Eckzähnen. Dann hat er ein wenig was von einem ausserordentlich stark behaarten Vampir, der in Rückenlage schnarcht. Un-wi-der-steh-lich! :-)

  4. [...] Jella und Brenda) noch durch ihre Zugehörigkeit zu einer schlagzeilenträchtigen Rasse (wie Rotti Basi oder Am-Staff Diemo) noch durch atemverschlagende Attraktivität (wie bei Akita Inu-Schäfer-Mix [...]

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