Die Beziehung zwischen Hund und Mensch wird vom merkwürdigen Verhalten des Menschen zuweilen arg strapaziert.
“Allmählich glaube ich, sie will den Ball gar nicht …..”
(Cartoon von Harry Bliss in “The New Yorker”, Januar 2012)
Die Beziehung zwischen Hund und Mensch wird vom merkwürdigen Verhalten des Menschen zuweilen arg strapaziert.
“Allmählich glaube ich, sie will den Ball gar nicht …..”
(Cartoon von Harry Bliss in “The New Yorker”, Januar 2012)
Erst Tierversuchsopfer, dann Sparopfer: Letzten November gabs an dieser Stelle einen Beitrag über einige Dutzend Laborbeagles bei Novartis, die der Konzern aus Kostengründen loswerden will, und deren Schicksal – Verkauf an andere Labore, Tierheim, Vermittlung, Einschläfern – nach meiner Kurzrecherche im Internet bis jetzt noch nicht entschieden ist. In diesem Zusammenhang ist das Ergebnis einer Umfrage interessant, die von den “Ärztinnen und Ärzten für Tierschutz in der Medizin” ATM durchgeführt wurde.

ATM ist eine Tierschutzorganisation, in der sich Human-, Veterinär- und Zahnmediziner für eine weitestgehende Reduzierung von Tierversuchen zugunsten alternativer Methoden einsetzen, Zitat aus der Kurzvorstellung auf der Homepage: “Aufgrund unserer Ausbildung und praktischen Erfahrung sind wir in der Lage, den behaupteten Nutzen von Tierversuchen realistisch einzuschätzen und zu bewerten. So müssen wir auch erkennen, dass zahllose Tierversuche unverantwortlich sind.” Und fragwürdig. Für die 2007 innerhalb der EU in Kraft getretene Verordnung (REACH) zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien werden voraussichtlich an die 13 Millionen Wirbeltiere in Versuchen eingesetzt werden, um die Giftigkeit von Altchemikalien zu testen. Dabei ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse von Tierversuchen auf den Menschen nach wie vor umstritten.
In ihrer repräsentativen Umfrage ist die ATM der Frage nachgegangen, zu welchem Zweck Schweizerinnen und Schweizer Tierversuche an Hunden akzeptieren. Um einen kurzen Einblick in die Statistik betreffend Tierversuchen an Hunden zu geben, hier mal die wichtigsten Kennzahlen: 2010 wurden in der Schweiz 3102 Versuche an Hunden registriert. Abzüglich der harmloseren Versuche wie die Entnahme von Blut und Gewebeproben bleiben laut ATM 278 mit mittelschwerem und sechs mit sehr schwerem Leiden für den Hund. EU-weit belaufen sich die Zahlen auf 21315 (2008) und in den USA auf 72000 (2007). Der Hund gilt u.a. als das ideale Versuchstier, um Pestizide zu testen, als am “besten geeignet” für Versuche gilt der Beagle. Er ist gutmütig und aufgrund seiner eher kleinen Körpergrösse “handlich”, deutlich grösser, aber aufgrund seines verträglichen Wesens ebenfalls gefragt ist der Golden Retriever. Bemerkenswert im Zusammenhang mit den Statistiken ist, dass nur ein Bruchteil der Tierversuche Eingang in wissenschaftliche Publikationen findet. So fanden sich von den 21315 in der EU für Studien eingesetzte Hunde nur 800 in entsprechenden Publikationen wieder. ATM geht davon aus, dass höchstwahrscheinlich viele Studien mit unerwünschten Resultaten nie publiziert wurden. In diesem Fall hätten die Hunde völlig umsonst gelitten.

Jetzt zu den Ergebnissen der Meinungsumfrage. Hierfür wurde nach Tierversuchen an Hunden für Hunde, für Menschen und für Giftigkeitstests von Produkten unterschieden. Befragt wurden 1012 Personen ab 15 Jahren, 106 davon sind selber Hundehalter. Auf die Frage “Sollen Tierversuche an Hunden durchgeführt werden, bei denen diese sicher leiden, um später vielleicht Krankheiten von Hunden besser behandeln zu können?” antworteten 70% aller Befragten und 89% der Hundehalter mit “Nein”. Vor allem die zweite Zahl ist insofern interessant, als sich hier die Bevölkerungsgruppe gegen die “Hund-für-Hund”-Versuche ausspricht, die am meisten von ihnen profitieren würde. Die zweite Frage: “”Sollen Tierversuche an Hunden durchgeführt werden, bei denen diese sicher leiden, um später vielleicht Krankheiten von Menschen besser behandeln zu können?” Hier antworteten 65% der Gesamtheit und 79% der Hundehalter mit “Nein”. Am deutlichsten fiel die Ablehnung bei Frage drei aus: “Sollen Tierversuche an Hunden durchgeführt werden, bei denen diese sicher leiden, um später vielleicht die Risiken von Giften wie Pestiziden besser abschätzen zu können?” 79% aller Befragten lehnen diese Versuche ab sowie 88% der Hundehalter.
Grundsätzlich stellt ATM eine grosse Diskrepanz zwischen dem Willen der Schweizerinnen und Schweizer und der Realität eines weit verbreiteten Gebrauchs des Hundes als Versuchstier fest. Entsprechend fordert die Organisation, dass der Volkswille anerkannt und von Forschung wie Politik umgesetzt wird. Konkret soll die Pharmaindustrie auf Alternativmodelle umsteigen, wofür die Politik einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen hat. Einen ersten Schritt sieht ATM darin, dass mehr Forschungsgelder in die Entwicklung von Alternativmethoden gesteckt werden. Auch dazu mal eine Zahl: von 101 im Frühjahr 2010 vom Schweizerischen Nationalfonds SNF geförderten Projekten im biomedizinischen Forschungsbereich beinhalteten 60 Projekte Arbeiten mit Zellkulturen und – immer noch! – 53 sahen Tierversuche vor.

Zur Untermauerung ihrer Forderungen führt ATM Argumente ins Feld, die vor allem die Ineffizienz und zum Teil mangelnde Zuverlässigkeit vieler Versuche an Hunden kritisieren und auf die Möglichkeit von Alternativen hinweisen, die – entgegen der Aussagen der Pharmaindustrie – bereits heute durchführbar wären. Zwei Beispiele.
Stichwort “Ineffizienz”: Der Hund ist noch heute das Standardtier, an dem Medikamente getestet werden, wenn man mit den Tests an Nagern fertig ist. Man spricht von der ‚second species‘.
43% der Nebenwirkungen können vorausgesagt werden, wenn man alleine an Mäusen/Ratten testet.
63% der Nebenwirkungen werden erkannt beim Test allein an der ‚second species‘, also meist Hunden oder Affen.
71% der Nebenwirkungen werden erfasst mit der Kombination von Tests an Nagern und der ‚second species‘, meist dem Hund.
Das heisst mit anderen Worten: 29% der Nebenwirkungen, also knapp ein Drittel bleiben auch im kombinierten Tierversuch unentdeckt.

Stichwort “Alternativen”, zum Ersten: Allergan ist der Hersteller von Botox, einem Medikament mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Franken pro Jahr, zu dessen Herstellung aber qualvolle Mäusetests notwendig sind. Dies wurde von ATM, aber auch von zahlreichen weiteren Tierschutzorganisationen in vielen Ländern beanstandet. Aufgeschreckt von einem kritischen Artikel zu Botox, den ATM in der Schweizerischen Ärztezeitung veröffentlichte, schickte Allergan noch im Jahr 2008 von höchster Stelle einen Brief an die Tierschutzorganisation. Hierin legte das Unternehmen auf mehreren Seiten dar, warum es unmöglich sein werde, den qualvollen Mäusetest in den nächsten Jahren zu verlassen. 2011 widerlegte Allergan diese Argumente gleich selbst: der Hersteller verkündete, eine Alternativmethode entwickelt zu haben, bei der man auf 95% der Tierversuche verzichten kann.
Alternativen, die Zweite: Forscher des Fraunhofer-Instituts in München haben eine neue Testmethode entwickelt, die Tierversuche überflüssig macht. Dabei wird eine neue Technologie verwendet – eine Kombination aus In Vitro-Zellkulturen und Nanotechnologie -, um die Energielevel der Zellen zu messen und festzustellen, wie gesund sie sind. Das bedeutet: Um Chemikalien auf Wirksamkeit und Risiken zu testen, müssen schon bald keine Tiere mehr leiden. Vorausgesetzt Behörden und Industrie ziehen mit.
Es geht also. Wenn auch leider nicht ohne öffentlichen Druck. Wie so häufig. Aber die schlechte Nachricht ist auch die gute: öffentlicher Druck wirkt. Dranbleiben auch. Selbst und erst recht bei einem Goliath wie der chemisch-pharmazeutischen Industrie, denn:
Durch das Schaffen von Öffentlichkeit und beharrliches Lobbying hat es beispielsweise die “European Coalition to End Animal Experiments“ ECEAE, ein Zusammenschluss europäischer Tierrechtsorganisationen, geschafft, die Aufnahme moderner Ersatzmethoden für Tierversuche in die Gesetzgebung zu fördern. Und im Zusammenhang mit der oben erwähnten EU-Verordnung REACH konnte die Organisation beispielsweise 120 Ratten davor zu retten, 90 Tage lang Gift inhalieren zu müssen. Ihr Tod wäre so sinnlos gewesen wie der Test insgesamt. Weil es den, respektive die Testergebnisse längst gibt. 120 gerettete Ratten mögen für sich betrachtet nicht mehr als Peanuts sein angesichts der Millionen von Versuchstieren, die für REACH verbraucht werden (die ursprünglich für die Tests veranschlagten, unglaublichen 54 Millionen (!!) Wirbeltiere konnten laut Wikipedia auf immer noch horrende 13 Millionen reduziert werden.) Entscheidend ist, dass Organisationen wie ATM und ECEAS die öffentliche Aufmerksamkeit auf einen Bereich lenken, in dem vorzugesweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit gewirtschaftet wird.

Jeder Medienbericht, jeder noch so kleine, publik gemachte Erfolg seitens der Tierschutzorganisationen signalisiert der Tierversuchsindustrie, dass sie unter Beobachtung steht. Und dass die Öffentlichkeit um die Machbarkeit von Alternativen weiss und den Chemie- und Pharmaunternehmen sehr gerne beim Umdenken behilflich ist .
Was richtiger oder zumindest sinnvoller Tierschutz ist, darüber hat wohl jeder von uns so seine eigene Vorstellung. Die einen befreien in Nacht- und Nebelaktionen Versuchstiere aus den Laborkäfigen oder retten Hunde aus ausländischen Tierheimhöllen in die Schweiz, andere helfen bei der Erstellung eines regionalen Fledermauskatasters, wieder andere reisen ins Ausland, um die Situation der Tiere mit Kastrationsaktionen und medizinischer Versorgung vor Ort zu verbessern. Das jeweilige Selbstverständnis, das die Vorgehensweise der einzelnen Tierschützerfraktionen bestimmt, ist in den meisten Fällen nicht verhandelbar: Jeder und jede glaubt, auf seine Weise das Richtige zu tun, ob militanter Tierschützer oder gefühlsbetonter Tierfreund. Und so herrscht im heutigen Tierschutz eine Art Kakophonie der Einzelideologien. Als ich mit diesem Blog vor knapp drei Jahren begonnen habe, hatte ich noch keine Ahnung, wie unversöhnlich sich die Tierschutzlager zum Teil gegenüber stehen. Und ehrlich gesagt, ich staune auch heute noch darüber, wie sich Menschen gleicher Motivation in einem Glaubenskrieg verzetteln können, bei dem es letztlich nur noch um den Schutz der eigenen Überzeugung geht – und nicht mehr um den Schutz der Tiere.

Umso bemerkenswerter, dass Certodog jetzt erstmals einen Lehrgang für Tierschützer anbietet, vorerst mit dem Schwerpunkt Heimtiere. Ziel des Kurses ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine fundierte Wissensgrundlage im Bereich des Tierschutzes zu vermitteln. Dafür sorgen Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis des Tierschutzes, u.a. Susy Utzinger von der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz SUST, Sonja Doll Hadorn, Ethologin und Zoologin, Alexandra Spring von der Stiftung für das Tier im Recht TIR sowie Spezialistinnen für die unterschiedlichen Heimtierarten. Ein ganzer Kurstag ist der Tierhaltung in Tierheimen gewidmet und wird im Pfötli stattfinden.
Der Kurs richtet sich laut Ausschreibung an Tierfreunde, die aktiv mit Heimtieren arbeiten und einen sinnvollen, nachhaltigen Tierschutz betreiben und/oder an Tierschutzprojekten aktiv mitarbeiten wollen, aber noch nicht genügend Fachkentnisse in petto haben. Insgesamt dauert der Lehrgang von März bis November, findet jeweils an einem Samstag statt und wird mit einer schriftlichen Prüfung abgeschlossen. Wer die besteht erhält das Zertifikat Certodog® Tierschutz Fachkraft.
So weit, so gut. Bleibt aber trotzdem die Frage: Warum muss man Tiere retten lernen? Und was kann man mit einem solchen Zertifikat anfangen, solange der Begriff Tierschützer kein geschützter Titel ist? Immerhin kostet der Kurs 1390 Franken.
Das hab ich dann auch Susy Utzinger gefragt, die sich in diesem Blog bereits vor einiger Zeit zum Thema “wirksamer Tierschutz” geäussert hat. Susy ist mit ihrer Tierschutz-Stiftung im In- und Ausland aktiv und gestaltet als Referentin mehrerer Themenblöcke den Lehrgang mit.

Wieso braucht’s denn eine Ausbildung, um Tiere zu schützen? Bis jetzt hat der Tierschutz doch auch ohne funktioniert ….
Diese Frage verdeutlicht bereits das Problem, das im Bereich des Tierschutzes rund um Heimtiere besteht: Viele Menschen gehen davon aus, dass das Betreiben von Tierschutz etwas ist, was jeder von Natur aus kann. Automechaniker, Dachdecker, Krankenschwestern und auch Schreiner machen eine Lehre – Tierschützer hingegen, die machen in vielen Fällen einfach “mal so irgend etwas” nebenbei. Und weil viele Menschen einfach “mal so” im Tierschutz vor sich hin probieren, wird die Arbeit von Tierschützern in der Öffentlichkeit wenig anerkannt und häufig belächelt. Viel schlimmer aber ist, dass hier Probleme für diejenigen entstehen, die doch eigentlich geschützt werden sollen: für die Tiere! Ein sehr grosser Teil unserer aktuellen Tierschutzprobleme im Heimtierbereich werden nämlich von selbsternannten Tierschützern verursacht: Massenimporte aus dem Ausland, falsche Platzierung von heimatlosen Tieren, fehlmotivierte und unsachgemässe Mithilfe in Tierheimen, die oft sogar damit endet, dass in einzelnen Tierheimen gar keine freiwilligen Helfer mehr zugelassen werden. Wer glaubt, Tierschutz könne man “einfach mal so mit Probieren” erlernen, der setzt fahrlässig Tierleben aufs Spiel. Und wer – überspitzt formuliert – davon ausgeht, Tierschutz bestehe daraus, möglichst viele Menschen sehr unhöflich anzugehen und lauthals gegen alles mögliche zu demonstrieren, der schiesst ebenfalls am Ziel vorbei.

Und daran soll ein Lehrgang etwas ändern können?
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Tierliebe, Einsatzwille und Mitleid sind wunderbare Beweggründe, sich im Bereich des Tierschutzes zu engagieren, sie können aber lediglich die Initialzündung für eine wirkungsvolle Tierschutzarbeit sein. Damit die Tierschutzarbeit sinnvoll aufgebaut werden kann, sind ausserdem viel und umfassendes Fachwissen, Verstand und Ausdauer erforderlich.

Tierschutz ist ein weites Feld und betrifft viele Tierarten. Warum geht es in diesem Lehrgang hauptsächlich um Heimtiere?
In diesem Lehrgang werden die Basiskenntnisse für aktive Tierschutz- und Arbeitseinsätze in Tierheimen vermittelt und da trifft man vorwiegend auf Hunde und Katzen und zum Teil auch auf die sogenannten “kleinen Heimtiere”. Es wäre aber auf jeden Fall sehr wünschenswert, in weiteren Modulen auch Kenntnisse rund um Nutztiere zu vermitteln und zusätzlich sind natürlich auch Versuchstiere sowie Pelztiere ein Thema.

Wer sich für den Lehrgang interessiert, muss neben Geld auch Zeit investieren, einerseits für die Präsenztage, andererseits für die Prüfungsvorbereitung. Wie hoch schätzt du den zeitlichen Aufwand in etwa ein?
Die einzelnen Kurstage und ihre Inhalte sind auf der Website ausführlich aufgelistet. Neben den geplanten acht Kurstagen und dem Prüfungstag, die über das ganze Jahr verteilt sind, wird es natürlich nötig sein, dass die Teilnehmer die Inhalte aus den Vorlesungen lernen und damit im Fachwissen, über das ein Tierschützer oder eine Tierschützerin verfügen muss, sattelfest werden. Je nach Vorkenntnissen und Erfahrungen, die die einzelnen Personen mitbringen, wird dies mehr oder weniger Lernaufwand bedeuten.

Der Titel “Tierschutz-Fachkraft” ist nicht geschützt. Was bringt mir dann dieses Zertifikat?
Das Zertifikat “Tierschutz-Fachkraft” ist formal betrachtet lediglich die Bestätigung über den absolvierten Kurs-Inhalt und den bestandenen Abschlusstest dieses Lehrganges. Das im Kurs erworbene Wissen hingegen macht aus Tierfreunden wertvolle Tierschutzfachkräfte, die für die Unterstützung von Tierschutzprojekten gesucht und begehrt sind. Helferinnen und Helfer mit einer solchen Wissensgrundlage sind für viele Tierschutzorganisationen äusserst wertvoll und für die effiziente Umsetzung von Projekten enorm wichtig. Auch in den Tierschutzeinsätzen unserer Stiftung bevorzugen wir Tierfreunde mit einem breiten Grundwissen, das sie in die Tat umzusetzen wissen. Denn nur wer dieses Grundwissen mitbringt, ist in der Lage, die Verantwortung für ein Projekt mitzutragen und es letztlich zum Erfolg zu führen. Je härter es zur Sache geht und je anspruchsvoller die Tierschutzarbeit ist, desto weniger haben ausserdem die Fach-Teams in einem Einsatz die Zeit und die Kraft, einzelne Helfer während eines Einsatzes auszubilden, viele Fragen zu beantworten oder sich sogar Grundsatzdiskussionen mit Laien-Helfern und Helferinnen zu stellen. Kurzum: Wem eine nachhaltig wirksame Tierschutzarbeit am Herzen liegt, kann dieses Ziel nur mit einem fundierten Basiswissen erreichen. Insofern dient der Lehrgang letztlich nur in zweiter Linie dem Erwerb eines Zertifikats. Sondern vielmehr denen, um die es doch letztlich uns allen gehen muss: den Tieren, ihrem Wohl und möglichst effizienten und fachgerechten Lösungen für die zahlreichen Herausforderungen im heutigen Tierschutz.

Weil ihr Gehirn durch ein Antibiotikum geschädigt worden ist, sind im November 2011 im Freizeitpark “Connyland” in Lipperswil zwei Delfine verendet, wie die Thurgauer Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Gegen zwei Tierärzte wurde eine Untersuchung eröffnet.
Im November vergangenen Jahrs verendeten im “Connyland” innerhalb einer Woche die beiden Delfine Shadow und Chelmers. Um die Todesursache zu klären, gab die Staatsanwaltschaft Thurgau ein Gutachten beim Institut für Veterinärpathologie der Universität Zürich in Auftrag. Am Montag wurden die Ergebnisse bekanntgegeben.

Eine Vergiftung der beiden Tiere durch Dritte könne ausgeschlossen werden, heisst es im Communiqué der Staatsanwaltschaft. Die Delfine hätten durch die Verabreichung eines Antibiotikums eine Schädigung des Gehirns erlitten und seien schliesslich daran verendet.
Ob den Tierärzten, die das Medikament verordnet hatten, ein strafrechtlich relevantes Verhalten anzulasten ist, sei Gegenstand der laufenden Untersuchungen, heisst es im Communiqué weiter.
In Zusammenhang mit den toten Delfinen waren beim “Connyland” Drohungen eingegangen. Sie stammten von einer 28-jährigen Frau. Die Einzeltäterin habe keinerlei Beziehungen zum “Connyland” oder zu Tierschutzorganisationen. Gegen die Frau wurde ein Verfahren wegen Drohung eingeleitet, wie die Thurgauer Staatsanwaltschaft meldete.
(Quelle: Bluewin/News)
Wer in diesem Blog auch die Kommentare liest, wird mitbekommen haben, dass eine gewisse Anita die superlativ monströsen Dimensionen von Basis Beisswurst mit dem Hinweis auf ein in ihrem Besitz befindliches Modell angezweifelt hat. Und das mit den äusserst kühnen Worten: …”da ist die auf dem Foto gleich eine Miniaturausgabe dagegen!” Immerhin würde sie den Vergleich nicht scheuen, denn sie versprach, beim nächsten Pfötlibesuch, die einzige wirklich riesige Beisswurst bei Basi abzugeben.
Anita mit ihren ersten Hunden Odin und Rambo
Dazu muss man vielleicht noch wissen, dass Anita Teilzeit die Einsatzzentrale des TierRettungsDienstes leitet – mir und im Pfötli also keine Unbekannte ist -, hauptamtlich und mit ihrer Erfahrung als Eidg. Dipl. Tiermedizinische Praxisassistentin aber Chefin der Happy Holidays-Heimtierbetreuung ist. Und mit Cita uns Beni selber zwei Hunde hat. Sich von daher bei Beisswürsten auskennt. Ergo war ihre Herausforderung, die “Beisswurst-Challenge”, ernst zu nehmen.
Und Tatsache: gestern morgen übergab mir Chrigi ein durchaus nicht gerade klein geratenes Modell in Schwarz. Mit einer persönlichen Widmung.
Die kann’s nur für einen geben: Anitas Wettbewerbsbeisswurst mit Anschrift
So für sich betrachtet hatte die Herausfordererbeisswurst gute Chancen: Sie war von herausragender Länge, verfügte wie Basis Leib- und Magenmodell über zwei Schlaufen und war insgesamt wie offensichtlich für Hunde grösser gleich Basi gedacht.
Die Wurst im Grossen und Ganzen
Der direkte Vergleich liess dann jedoch keinerlei Zweifel zu: Anita hatte mit ihrer Beisswurst den Mund – im wahrsten Sinne – doch ein wenig voll genommen, von wegen “.. im Vergleich eine Miniaturausgabe ….”
Das muss ich, glaub ich, nicht weiter kommentieren!
Die wirkliche “Gross-artigkeit” vergleichen, bei der es bekanntlich auf mehr als die blosse Grösse ankommt, das konnte letztlich nur unser “Connaisseur du bon Beisswurst”, Basi himself. Also habe ich ihn zur Anprobe in den Pfötlihof gebeten.
Hier das bisherige Modell im Trage- und Stylingtest:
“Mmpfff….”
Nun ja, solide, würde ich mal sagen. Vielleicht ein wenig hart im Kontrast zu Basis Fellfarbe, und blasses Wüstensandbeige zählt nicht zwingend zu den angesagten Farben der Saison. Hat aber wiederum den Vorteil der relativ guten Sichtbarkeit, ein Pluspunkt, denn Basi stellt sich vor lauter aufgeregtem “Beisswurstfindenwollen” manchmal blinder an als er ist. Was den Tragekomfort angeht, da überzeugt das Modell den Träger offensichtlich nicht so ganz, Basi macht den Eindruck, kurz vor einer Kiefersperre zu stehen. Guckt entsprechend ein klitzkleinbisschen gequält, der Junge. Okay, jetzt mal Anitas Modell.
Dass Schwarz nie wirklich aus der Mode kommt, ist ja nur mal das eine. Aber hier gehen darüber hinaus Wurst und Hund eine farbliche Symbiose von geradezu klassischer Eleganz ein, das Schwarz lässt Basi insgesamt weicher wirken, schmeichelt seinem Teint, rundet den Kopf seitlich ab, was ihn optisch schlanker erscheinen lässt. Der Tragekomfort ist offensichtlich, dank natürlicher Haltesymmetrie und reduziertem Umfang. Das Ergebnis: Ein Basi mit deutlich entspannterer Mimik.
Aber noch stand dem schicken Modell der Belastungstest bevor, würde es die Wurf-, Apportier- und Schüttelstrapazen überstehen, was war mit Flugverhalten, Transporteignung in der Bewegung und Sichtbarkeit?? Wie würde Basis Urteil ausfallen, war die Wurst nicht nur schön, sondern auch noch gut? Hier ein filmischer Ausschnitt von Basis Prüfverfahren:
Ungefähr nach eine halben Stunde intensivem Stresstest stand das Ergebnis fest: sie mag nicht grösser sein, die Beisswurst von Anita, und Schwarz ist sie nach einer gewissen Zeit auch nicht mehr, aber sie ist einiges besser als jede andere, die Basi bisher zwischen den Zähnen hatte, daher sein Testurteil: Die oder keine!
In dem Fall also die!
DANKE ANITA!!!!!
Gerade beim Rumstöbern auf der Facebookseite der Listehunde-Freunde gefunden, ein Love-Song-Rap von Till Sunrise über seine zwölfjährige Listenhündin.
Nehme mal an, das Stück hat nicht die Charts gestürmt. Trotzdem finde ich solche “Bekennervideos” natürlich grossartig, und das hier ist deswegen so supernett, weil mit “Sie ist noch wie ein Kind” ein Liebeslied als Rap daherkommt, und Rap traditionell nicht gerade zarte Gefühle vertont. So wie Rapper auch nicht unbedingt idealtypische Hundehalter darstellen und leider das ihrige zum “Kampfhund”-Image von Pit & Co. beigetragen haben.
Übrigens und wenig überraschend war mir Till Sunrise kein Begriff, was sich auch nicht wirklich geändert hat, als ich zwecks Kennenlernen auf seine Myspace Seite gegoogelt bin – und ab da nur noch Bahnhof verstanden habe. Hier mal ein Auszug aus seiner “Bio”: “Aufgewachsen mit NWA ((hä???? NacktWanderndenAlbinos?? NichtWichtigenAnarchisten?? NordWestAndalusiern)), herangezüchtet mit Konkret Finn ((Nahrungsmittelergänzung für Finnenbabies ab sechs Wochen??)) und relaxed geworden mit Dirty South Mukke ((öhmmm … ein Ritalin-Generikum?)), vereint Till Sunrise Straßensound mit Clubtauglichkeit. Seine vom Straßenhumor ((Sagt die eine Ampel zur anderen ..?)) geprägten und mit stark südhessischem Akzent ausgetragenen Lyrics ((i. S. von “um etwas Geld zu verdienen, trug er während des Studiums Lyrics aus”?)), heben ihn deutlich von den gängigen Rap-Styles anderer Emcees ((anderer Südhessen??)) ab und verleihen ihm so seine eigene Dimension ((und das heisst jetzt genau was?)) …”
Aber Hauptsache, die Hündin in dem Video kommt gut rüber, übrigens finde ich sie einiges cooler als Herrn Sonnenaufgang selbst (ey, no offense, Mann, ey echt!) So wie ich übrigens den lässigen Charme von John Shipes Red Nose Pit in “Pit Bull Blues” schlicht umwerfend finde. Mit ein Grund, warum ich diesen fröhlichen Blues seit dem ersten Hören nicht mehr aus Kopf und Ohren rauskriege.
Wie berichtet, gehörte Basi zu den vom Listenhundenfreunde-Christkindl beschenkten Pfötlianern. Die Palette der für den Beisswurstfetischisten “tragbaren” Accessoires wurde durch ein Plüschschwein und einen Kong erweitert, und besonders dem pinken Schwein ist er in grosser Zuneigung verbunden. Seine Passion für Beisswürste ist jedoch ungeschmälert. Und es scheint, dass er nach den zahlreichen Würstchen, mit denen er sich bisher zufrieden geben musste, nun endlich ein Exemplar gefunden hat, das einem stattlichen Rottweiler in Grösse und Gewicht angemessen ist:
Um die Ausmasse von Basis neuem Lieblingsflugobjekt zu illustrieren habe ich die beiden nebeneinander gelegt. Der von mir mit diesem Beweisfoto angepeilte Grössenvergleich ist aber insofern nicht so ganz gelungen, als Basi hier wirkt, wie sein eigenes Chihuahua-Double. Aber in meiner Eigenschaft als Beisswursttransporteurin und -werferin versichere ich: Das Ding ist ein wahres Monster. In Umfang und Gewicht verhält sich diese Beisswurst zu den anderen handelsüblichen Modellen wie der A380 zu einer Cessna, wie ein Sumoringer zu einem Skispringer, wie Sir Henry zu Jimmy. Undsoweiter. Jedenfalls: Wenn Basi die vegane Gigantowurst zwischen den Zähnen hat, dann hat er im wahrsten Sinne des Wortes die Schnauze voll.

So weit, so schön für Mensch und Tier, denn ist Basi glücklich, dann bin ich es auch. Wahre Rauschzustände durchlebt Basi übrigens dann, wenn er sich das Teil ausgiebig um die Ohren semmeln kann.

Dabei vergisst er sich und die Tatsache, dass es je eine Schlaufe am Ende seiner Beute hat. Und mehr als einmal pro Spaziergang fällt Basi im gestreckten Galopp auf die Nase, weil er sich beim Ohrensemmeln in einer der beiden bösen Schlaufen verheddert hat. Worauf die Beisswurst dann erst recht drankommt. Oha! Gahts no!
Letztes Wochenende hats bekanntlich phasenweise geregnet, was so ein Wolkenfeld hergibt. Grundsätzlich bin ich eine Anhängerin von derlei fiesem Wetter (zumal ich neulich meine erste wirklich wasserdichte Hose erstanden habe!!). Allerdings kommt heftiger Regen insofern erschwerend zum Thema Megabeisswurst hinzu, dass sich das an sich schon nicht leichtgewichtige Utensil ebenso schnell wie vollständig Wasser aufsaugt und speichert wie ein Schwamm.
Während sich Basi dadurch die Freude am Apportieren und Semmeln nicht verderben lässt – im Gegenteil - erleidet meine Wurfleistung ab einem gewissen Sättigungsgrad Schiffbruch: einem volltrunkenen Albatross gleich torkelt die Wurst kurz durch die Luft, um noch in der Startphase wie angeschossen zu Boden zu gehen. Oder in einem Strauch hängen zu bleiben, was Basi regelrecht in den Wahnsinn treibt. Mit heftig wedelnder Rute scharwenzelt er vollkommen aus dem Häuschen um die Stelle herum, an der nach seinen Berechnungen seine Beute niedergegangen sein muss, aber verflixt noch eins nicht zu finden ist. Entdeckt er sie dann in unerreichbarer Höhe, versucht er, sie runterzubellen. Da sie sich aber weigert, Basi entgegen zu kommen, liegt es an mir, das gestrandete Flugobjekt umzingelt von einem hektisch rumhopsenden Rottweiler aus dem Geäst zu klauben. Ihr renitentes Verhalten büsst die Beisswurst anschliessend mit einem extralangen Um-die-Ohren-gesemmelt-werden seitens eines triumphierenden Basi.
Nur mal so aus Neugier habe ich am Sonntag nach meinem verregneten Spaziergang mit Meister Basinski die – auch optisch deutlich beanspruchte – Beisswurst auf unsere Hundewaage gelegt.

Das Ergebnis:
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass Basi, wenn er sich erst einmal ausgetobt hat an und mit der Beisswurst, schlagartig das Interesse an ihr verliert und sich seiner zweiten Passion zuwendet: Mauselöcher inhalieren und ausgraben. Damit geht Monsterbeisswurst automatisch in meine Obhut über. Letzten Sonntag habe ich also eine gut eingespeichelte, verschlammte 1-Kilo-Beisswurst durch den Regen geschleppt, dazu einen klitschnassen, bis zur Halskrause inklusive Schnauze verdreckten, aber zufriedenen Rottweiler, der es grunzend genoss, von mir in seiner Box trocken gerubbelt zu werden, während ich feststellen durfte, dass zwar meine Hose wasserdicht ist, meine Schuhe jedoch alles andere als … Aber wie gesagt: wenn Basi glücklich ist, bin ich es auch.
P.S. Nicht ganz so glücklich dürfte der beisswurstverliebte Rotti in dieser Geschichte gewesen sein, auch wenn er am Ende Glück hatte. Sachen gibts….
Es gibt unzählige Theorien zur Frage, nach welchen Kriterien wir uns unseren Umgang aussuchen. Also Freunde, Kolleginnen und alle anderen, denen wir nicht genetisch verbunden sind. Eine unterschwellig bösartige Variante geht davon aus, dass wir uns mehr oder weniger unbewusst und tendenziell zu Menschen gesellen, die uns besser aussehen lassen. Kleine Männer also beispielsweise zu noch kleineren Geschlechtsgenossen. Moppelige Frauen zu dicken Damen. Undsoweiter. Persönlich halte ich von dieser Theorie ja nicht sehr viel. Sie erklärt beispielsweise nicht, warum sich Paris Hilton und Nicole Ritchie seinerzeit zusammen getan haben, die eine ist so blond wie die andere. Aber vermutlich gibt es auf diesem Planeten keine noch blonderen Lebensformen, die noch lebensfähig sind.
Das dieser Theorie innewohnende Prinzip der Relativität (nicht die von Einstein, gell), also des “weniger” oder “mehr” je nach Vergleichsmassstab, wird derzeit auf anschauliche Weise im Pfötli wirksam – und beschert einem Hund wie Rottweiler Basi die seltene Gelegenheit sich relativ wie ein Zwergpudel zu fühlen. Und das verdankt er einer relativ grossen Invasion von: drei Doggen. Namens Sir Henry, Jella und Brenda.
Ich habe mal meinen Ordner “Hund” im iphoto durchgeclickt, da sind zwar nicht alle, aber doch der grösste Teil der Gäste drin, die ich in den vergangenen sieben Jahren Pfötli kennengelernt habe. Darunter genau eine Dogge, Arita. Eine in sieben Jahren. Und jetzt: drei auf einmal. Allerdings sind die drei weder verschwistert noch verschwägert noch sonstwie miteinander bekannt. Das sieht man schon daran, dass sie jeweils einer anderen Varietät angehören, von denen es insgesamt fünf gibt bei der Deutschen Dogge.
Sir Henry, repräsentiert das Modell “gestromt”. Allzu gerne hätte ich fotografisch mal demonstriert, was es heisst, wenn einem ein Hund mit der Mindestschulterhöhe 80 cm gegenübersteht. Aber Sir Henrys Schädel ist
genauso dick wie er aussieht. Er befand es für ausreichend, sich sitzend ablichten zu lassen. Angesichts einer Gewichtsklasse von bis zu 80 Kilo gehen einem da schnell mal die Argumente aus. (Die in jeder Hinsicht umfangreichste Dogge heisst übrigens George, ist laut Guinness Buch der Rekorde auch der grösste Hund der Welt, verfügt über ein Stockmass von 1.09 und eine Länge von 2.20 Metern, Gewicht 111 Kilo. George lebt in einem Land, in dem vom Hochhaus bis zur Pizza alles ein wenig grösser ist als hierzulande: den USA.)
Sir Henrys enorme Grösse korreliert aber in keinster Weise mit einem etwaigen Bedrohungspotential für Leib und Leben der Umgebungsbevölkerung. Im Gegenteil. Der unkastrierte Rüde, der infolge eines Notfalls bei uns in Pension ist, zeigte bei seiner Ankunft das komplette Verhaltensrepertoire eines Langlöffesl namens “Angsthase”, wenn er einem ihm nicht bekannten Menschen begegnete. Gegenüber Fremden ist er bis heute sehr zurückhaltend, und sensibel sind die Riesen alle drei. Und damit wunderbar entspannend zum Rausführen, denn ihre eher ängstliche Natur macht sie sehr leinenführig. Wenn ich mich also mal von den anspruchsvollen bis anstrengenden Vierbeinern erholen will, die ein angespanntes Verhältnis zur Leine haben, dann nehm ich mir einen der XXL-er. Eine Runde lang trabt dann ein aufmerksames Pony neben mir, und sollte etwas ganz furchtbar Beunruhigendes wie ein vom Winde verwehtes Blatt unseren Weg kreuzen, dann reicht es zur Beruhigung des bis ins Mark erschrockenen Gefährten vollkommen aus, wenn ich meine Hand auf seine Schulter lege. Dabei kann ich aufrecht weitergehen. Sehr rückenschonend so eine Dogge.
Kommen wir zur – zumindest für meinen Geschmack – edelsten Rassenvariante, der blauen, und damit zu Jella,
unserem zweieinhalbjährigen Doggenfräulein, das wegen Überforderung abgegeben wurde.
Meine erste Begegnung mit Jella geschah auf Augenhöhe. Meinerseits ungewollt, aber selber verschuldet. Wie immer bei einem eher unsicheren oder ängstlichen Hund, sehe ich bei der ersten Begegnung über die ein oder andere kleinere Respektlosigkeit hinweg, damit der Vierbeiner etwas schneller Vertrauen fasst. Leider war Jella schon im Aufstieg begriffen, als mir bewusst wurde, dass “kleinere” Respektlosigkeiten bei Doggen relativ grosse Konsequenzen haben. Tja, diese Erleuchtung kam bedauerlicherweise knapp nach dem Gong, da hatte Jella mir mit ihren Krallen schon zwei rote Ralleystreifen im Gesicht verpasst, ihre dicken Pfoten auf meine Schulter abgelegt und atmete mich Nase an Nase an. In aufrechter Haltung und flachen Schuhen ist Jella genauso gross wie ich. Allerdings bedeutend schlanker.
So schlank, dass sie unbedingt etwas zulegen muss. Deshalb hat sie ein Privileg, um das sie der tiefergelegte Rest der Pfötlibelegschaft abgrundtief beneidet: Sie bekommt im Minimum drei randabschliessend gefüllte Näpfe Fressen pro Tag. Wann immer möglich inklusive menschlicher Gesellschaft, denn das Fräulein ist extrem menschenbezogen und Alleinsein schlägt ihr auf den Appetit. Einer Dogge beim Fressen beizuwohnen hat etwas, nun, sagen wir mal, “sehr Archaisches”: Die Geräuschkulisse besteht aus allem, was der Freiherr von Knigge verboten hat, der Napf wird in einem Affentempo geleert, zwischendurch kämpft sich in der Hast geschluckte Luft mit einem dampfenden Rülpser wieder zurück ins Freie. Zum Schluss wird alles noch mit einem Liter Wasser runtergespült, womit nun sämtliche Voraussetzungen erfüllt sind für einen gigantesquen, vollfeuchten und restverkrümelten Doggenknutscher, der mich geruchstechnisch bis in den Abend nicht mehr loslässt.
Auch Jella zeigte übrigens keinerlei gesteigertes Interesse, sich von mir in ganzer Körperlänge fotografieren zu lassen. Ausser in diesem doch recht privaten Moment (Entschuldigung, Jella!). Aber wo wir grad bei derlei Verrichtungen sind: Bei Doggen fällt alles grösser aus. Wenn ich mittags die Ausläufe säubere, weiss ich immer auf den ersten Blick, in welchem sich unsere Giganten aufgehalten haben. Und meist reicht ein handelsüblicher Robidogbeutel nicht aus, die Spur zu beseitigen …
Jella verfügt – ausser ihrer besonderen, durch ein sogenanntes Verdünnungsgen bedingten Farbgebung – noch über zwei weitere Auffälligkeiten:
Ihren Nacken ziert eine Art Aalstrich, könnte es sein, dass in ihrer Ahnenreihe ein Rhodesian Ridgeback einst Platz genommen hat?

Und: das Mädchen hat einen absolut entzückenden, komplett unwiderstehlichen Silberblick.
Auf meiner Gassiliste ist sie jetzt als feste “Grösse” eingetragen. Nicht zuletzt, weil sie so gut zu meiner Regenjacke passt.
Und das hier, das ist die Dritte im Bunde, Brenda, Modell “gefleckt”.
Das auf den heutigen Tag genau acht Monate alte Mädchen beendete seinen ersten Lebensabschnitt angebunden an einem Baum, daneben ein Sack Futter und ein Impfpass, aus dem hervorgeht, dass sie in Tschechien registriert ist. Nicht, dass ich unbedingt jemanden kennenlernen möchte, der seinen Hund ausgesetzt (und sich damit strafbar gemacht) hat, aber mich würde ja doch mal interessieren, was in diesem Fall der Grund war. Und warum der Sack Futter und der Impfausweis? Warum dann nicht gleich die kleine Brenda in ein Tierheim geben? Schliesslich gibt es einfach keine bessere oder schlechtere Art und Weise, ein Tier auszusetzen. Tiere aussetzen ist unter allen Umständen eine Sauerei. Aber …

lassen wir das Vergangene hinter uns und schauen mit Brenda nach vorn, in die sicherlich viel bessere Zukunft. Die damit beginnen dürfte, dass das Mädchen noch ein wenig an Höhe und Gewicht zulegen wird. Und hoffentlich auch punkto Gelassenheit.

Denn Brenda ist derzeit in typischer Teenagerlaune. Mit Unbekanntem konfrontiert hat sie Schiss bis unter die Arme, verbellt sicherheitshalber erst mal alles und jeden, ansonsten ist sie aber frech wie Käse. Neugierig. Ablenkbar. Laut. Apropos: Wenn Sir Henry, Jella und Brenda mit Bellen loslegen, da wackeln die Kacheln an den Boxenwänden. Besonders Sir Henry hat ein Organ, das einen ähnlichen Effekt aufs menschliche Zwerchfell hat wie die wummernden Basstöne eines bis zum Anschlag aufgedrehten Lautsprechers. Seeeehr beeindruckend!
Brenda ist aber in ganz anderer Hinsicht ein wahres Talent:

im Fussball.
Der folgende Film kann leider nur ansatzweise zeigen, mit welcher Leidenschaft und welchem Geschick Fräulein Brenda den Ball behandelt – “Bend it like Brenda”! Am Dribbling muss sicher noch gearbeitet werden, und im Abschluss könnte sie sicherer sein (den Zaun der Agi-Wiese trifft sie allerdings zu 100%). Aber sie ist extrem schnell, wendig und durchsetzungsstark. Wir kannten uns gerade ein paar Minuten, da hat sich mich mit Ball schon über den Haufen gepflügt. Deshalb:
“Dear FIFA and UEFA managers, hello Sepp, a lot of people have a little the mouth full of all the football players who get so much money and and are so not interested in their work, they stand around on the field and wait for the ball to come to them. We from the Pfötli in Winkel have an idea to make the people like football again: a Dog Football World Championship. And we have a hopefull talent here in our tierheim, a Great Dane with the name “Brenda”. She loves the game and does not cost a lot of money, only a bowl of food three times a day. P.S. If you are not interested, can you send us the telephone-number of the president of the world rugby-league? We have also a talent for this sport. His name is Basi!”
Tags: Apportieren, Cartoon, Harry Bliss, Mensch-Hund-Beziehung, Missverständnis zwischen Mensch und Hund, The New Yorker
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