28. Januar 2012

Apportieren – das Missverständnis

Die Beziehung zwischen Hund und Mensch wird vom merkwürdigen Verhalten des Menschen zuweilen arg strapaziert.

“Allmählich glaube ich, sie will den Ball gar nicht …..”

(Cartoon von Harry Bliss in “The New Yorker”, Januar 2012)

26. Januar 2012

Schweizer sind gegen Tierversuche an Hunden

Erst Tierversuchsopfer, dann Sparopfer: Letzten November gabs an dieser Stelle einen Beitrag über einige Dutzend Laborbeagles bei Novartis, die der Konzern aus Kostengründen loswerden will, und deren Schicksal – Verkauf an andere Labore, Tierheim, Vermittlung, Einschläfern – nach meiner Kurzrecherche im Internet bis jetzt noch nicht entschieden ist. In diesem Zusammenhang ist das Ergebnis einer Umfrage interessant, die von den “Ärztinnen und Ärzten für Tierschutz in der Medizin” ATM durchgeführt wurde.

ATM ist eine Tierschutzorganisation, in der sich Human-, Veterinär- und Zahnmediziner für eine weitestgehende Reduzierung von Tierversuchen zugunsten alternativer Methoden einsetzen, Zitat aus der Kurzvorstellung auf der Homepage: “Aufgrund unserer Ausbildung und praktischen Erfahrung sind wir in der Lage, den behaupteten Nutzen von Tierversuchen  realistisch einzuschätzen und zu bewerten. So müssen wir auch erkennen, dass zahllose Tierversuche unverantwortlich sind.” Und fragwürdig. Für die 2007 innerhalb der EU in Kraft getretene Verordnung (REACH) zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien werden voraussichtlich an die 13 Millionen Wirbeltiere in Versuchen eingesetzt werden, um die Giftigkeit von Altchemikalien zu testen. Dabei ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse von Tierversuchen auf den Menschen nach wie vor umstritten.

Ein paar Fakten zu Tierversuchen an Hunden

In ihrer repräsentativen Umfrage ist die ATM der Frage nachgegangen, zu welchem Zweck Schweizerinnen und Schweizer Tierversuche an Hunden akzeptieren. Um einen kurzen Einblick in die Statistik betreffend Tierversuchen an Hunden zu geben, hier mal die wichtigsten Kennzahlen: 2010 wurden in der Schweiz 3102 Versuche an Hunden registriert. Abzüglich der harmloseren Versuche wie die Entnahme von Blut und Gewebeproben bleiben laut ATM 278 mit mittelschwerem und sechs mit sehr schwerem Leiden für den Hund. EU-weit belaufen sich die Zahlen auf 21315 (2008) und in den USA auf 72000 (2007).  Der Hund gilt u.a. als das ideale Versuchstier, um Pestizide zu testen, als am “besten geeignet” für Versuche gilt der Beagle. Er ist gutmütig und aufgrund seiner eher kleinen Körpergrösse “handlich”, deutlich grösser, aber aufgrund seines verträglichen Wesens ebenfalls gefragt ist der Golden Retriever. Bemerkenswert im Zusammenhang mit den Statistiken ist, dass nur ein Bruchteil der Tierversuche Eingang in wissenschaftliche Publikationen findet. So fanden sich von den 21315 in der EU für Studien eingesetzte Hunde nur 800 in entsprechenden Publikationen wieder. ATM geht davon aus, dass höchstwahrscheinlich viele Studien mit unerwünschten Resultaten nie publiziert wurden. In diesem Fall hätten die Hunde völlig umsonst gelitten.

Hundehalter wollen nicht von Tierversuchen profitieren

Jetzt zu den Ergebnissen der Meinungsumfrage. Hierfür wurde nach Tierversuchen an Hunden für Hunde, für Menschen und für Giftigkeitstests von Produkten unterschieden. Befragt wurden 1012 Personen ab 15 Jahren, 106 davon sind selber Hundehalter. Auf die Frage “Sollen Tierversuche an Hunden durchgeführt werden, bei denen diese sicher leiden, um später vielleicht Krankheiten von Hunden besser behandeln zu  können?” antworteten 70% aller Befragten und 89% der Hundehalter mit “Nein”. Vor allem die zweite Zahl ist insofern interessant, als sich hier die Bevölkerungsgruppe gegen die “Hund-für-Hund”-Versuche ausspricht, die am meisten von ihnen profitieren würde. Die zweite Frage: “”Sollen Tierversuche an Hunden durchgeführt werden, bei denen diese sicher leiden, um später vielleicht Krankheiten von Menschen besser behandeln zu  können?” Hier antworteten 65% der Gesamtheit und 79% der Hundehalter mit “Nein”. Am deutlichsten fiel die Ablehnung bei Frage drei aus: “Sollen Tierversuche an Hunden durchgeführt werden, bei denen diese sicher leiden, um später vielleicht die Risiken von Giften wie Pestiziden besser abschätzen zu können?” 79% aller Befragten lehnen diese Versuche ab sowie 88% der Hundehalter.

Erforschung von Alternativmethoden muss gefördert werden

Grundsätzlich stellt ATM eine grosse Diskrepanz zwischen dem Willen der Schweizerinnen und Schweizer und der Realität eines weit verbreiteten Gebrauchs des Hundes als Versuchstier fest. Entsprechend fordert die Organisation, dass der Volkswille anerkannt und von Forschung wie Politik umgesetzt wird. Konkret soll die Pharmaindustrie auf Alternativmodelle umsteigen, wofür die Politik einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen hat. Einen ersten Schritt sieht ATM darin, dass mehr Forschungsgelder in die Entwicklung von Alternativmethoden gesteckt werden. Auch dazu mal eine Zahl: von 101 im Frühjahr 2010 vom Schweizerischen Nationalfonds SNF geförderten Projekten im biomedizinischen Forschungsbereich beinhalteten 60 Projekte Arbeiten mit Zellkulturen und – immer noch! – 53 sahen Tierversuche vor.

Ineffizient, unzuverlässig und mittlerweile unnötig

Zur Untermauerung ihrer Forderungen führt ATM Argumente ins Feld, die vor allem die Ineffizienz und zum Teil mangelnde Zuverlässigkeit vieler Versuche an Hunden kritisieren und auf die Möglichkeit von Alternativen hinweisen, die – entgegen der Aussagen der Pharmaindustrie  – bereits heute durchführbar wären. Zwei Beispiele.

Stichwort “Ineffizienz”: Der Hund ist noch heute das Standardtier, an dem Medikamente getestet werden, wenn man mit den Tests an Nagern fertig ist. Man spricht von der ‚second species‘.

43% der Nebenwirkungen können vorausgesagt werden, wenn man alleine an Mäusen/Ratten testet.
63% der Nebenwirkungen werden erkannt beim Test allein an der ‚second species‘, also meist Hunden oder Affen.
71% der Nebenwirkungen werden erfasst mit der Kombination von Tests an Nagern und der ‚second species‘, meist dem Hund.

Das heisst mit anderen Worten: 29% der Nebenwirkungen, also knapp ein Drittel bleiben auch im kombinierten Tierversuch unentdeckt.

Es gibt Alternativen

Stichwort “Alternativen”, zum Ersten: Allergan ist der Hersteller von Botox, einem Medikament mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Franken pro Jahr, zu dessen Herstellung aber qualvolle Mäusetests notwendig sind. Dies wurde von ATM, aber auch von zahlreichen weiteren Tierschutzorganisationen in vielen Ländern beanstandet. Aufgeschreckt von einem kritischen Artikel zu Botox, den ATM  in der Schweizerischen Ärztezeitung veröffentlichte, schickte Allergan noch im Jahr 2008 von höchster Stelle einen Brief an die Tierschutzorganisation. Hierin legte das Unternehmen auf mehreren Seiten dar, warum es unmöglich sein werde, den qualvollen Mäusetest in den nächsten Jahren zu verlassen. 2011 widerlegte Allergan diese Argumente gleich selbst: der Hersteller verkündete, eine Alternativmethode entwickelt zu haben, bei der man auf 95% der Tierversuche verzichten kann.

Alternativen, die Zweite: Forscher des Fraunhofer-Instituts in München haben eine neue Testmethode entwickelt, die Tierversuche überflüssig macht. Dabei wird eine neue Technologie verwendet – eine Kombination aus In Vitro-Zellkulturen und Nanotechnologie -, um die Energielevel der Zellen zu messen und festzustellen, wie gesund sie sind. Das bedeutet: Um Chemikalien auf Wirksamkeit und Risiken zu testen, müssen schon bald keine Tiere mehr leiden. Vorausgesetzt Behörden und Industrie ziehen mit.

Es geht also. Wenn auch leider nicht ohne öffentlichen Druck. Wie so häufig. Aber die schlechte Nachricht ist auch die gute: öffentlicher Druck wirkt. Dranbleiben auch. Selbst und erst recht bei einem Goliath wie der chemisch-pharmazeutischen Industrie, denn:

Tierschutzorganisationen brauchen langen Atem

Durch das Schaffen von Öffentlichkeit und beharrliches Lobbying hat es beispielsweise die “European Coalition to End Animal Experiments“ ECEAE, ein Zusammenschluss europäischer Tierrechtsorganisationen, geschafft, die Aufnahme moderner Ersatzmethoden für Tierversuche in die Gesetzgebung zu fördern. Und im Zusammenhang mit der oben erwähnten EU-Verordnung REACH konnte die Organisation beispielsweise 120 Ratten davor zu retten, 90 Tage lang Gift inhalieren zu müssen. Ihr Tod wäre so sinnlos gewesen wie der Test insgesamt. Weil es den, respektive die Testergebnisse längst gibt. 120 gerettete Ratten mögen für sich betrachtet nicht mehr als Peanuts sein angesichts der Millionen von Versuchstieren, die für REACH verbraucht werden (die ursprünglich für die Tests veranschlagten, unglaublichen 54 Millionen (!!) Wirbeltiere konnten laut Wikipedia auf immer noch horrende 13 Millionen reduziert werden.) Entscheidend ist, dass Organisationen wie ATM und ECEAS die öffentliche Aufmerksamkeit auf einen Bereich lenken, in dem vorzugesweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit gewirtschaftet wird.

Jeder Medienbericht, jeder noch so kleine, publik gemachte Erfolg seitens der Tierschutzorganisationen signalisiert der Tierversuchsindustrie, dass sie unter Beobachtung steht. Und dass die Öffentlichkeit um die Machbarkeit von Alternativen weiss und den Chemie- und Pharmaunternehmen sehr gerne beim Umdenken behilflich ist .

23. Januar 2012

Ausbildung zur Tierschutzfachkraft

Was richtiger oder zumindest sinnvoller Tierschutz ist, darüber hat wohl jeder von uns so seine eigene Vorstellung. Die einen befreien in Nacht- und Nebelaktionen Versuchstiere aus den Laborkäfigen oder retten Hunde aus ausländischen Tierheimhöllen in die Schweiz, andere helfen bei der Erstellung eines regionalen Fledermauskatasters, wieder andere reisen ins Ausland, um die Situation der Tiere mit Kastrationsaktionen und medizinischer Versorgung vor Ort zu verbessern. Das jeweilige Selbstverständnis, das die Vorgehensweise der einzelnen Tierschützerfraktionen bestimmt, ist in den meisten Fällen nicht verhandelbar: Jeder und jede glaubt, auf seine Weise das Richtige zu tun, ob militanter Tierschützer oder gefühlsbetonter Tierfreund. Und so herrscht im heutigen Tierschutz eine Art Kakophonie der Einzelideologien. Als ich mit diesem Blog vor knapp drei Jahren begonnen habe, hatte ich noch keine Ahnung, wie unversöhnlich sich die Tierschutzlager zum Teil gegenüber stehen. Und ehrlich gesagt, ich staune auch heute noch darüber, wie sich Menschen gleicher Motivation in einem Glaubenskrieg verzetteln können, bei dem es letztlich nur noch um den Schutz der eigenen Überzeugung geht – und nicht mehr um den Schutz der Tiere.    

Umso bemerkenswerter, dass Certodog jetzt erstmals einen Lehrgang für Tierschützer anbietet, vorerst mit dem Schwerpunkt Heimtiere. Ziel des Kurses ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine fundierte Wissensgrundlage im Bereich des Tierschutzes zu vermitteln.  Dafür sorgen Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis des Tierschutzes, u.a. Susy Utzinger von der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz SUST, Sonja Doll Hadorn, Ethologin und Zoologin, Alexandra Spring von der Stiftung für das Tier im Recht TIR sowie Spezialistinnen für die unterschiedlichen Heimtierarten. Ein ganzer Kurstag ist der Tierhaltung in Tierheimen gewidmet und wird im Pfötli stattfinden.

Der Kurs richtet sich laut Ausschreibung an Tierfreunde, die aktiv mit Heimtieren arbeiten und einen sinnvollen, nachhaltigen Tierschutz betreiben und/oder an Tierschutzprojekten aktiv mitarbeiten wollen, aber noch nicht genügend Fachkentnisse in petto haben. Insgesamt dauert der Lehrgang von März bis November, findet jeweils an einem Samstag statt und wird mit einer schriftlichen Prüfung abgeschlossen. Wer die besteht erhält das Zertifikat Certodog® Tierschutz Fachkraft.

So weit, so gut. Bleibt aber trotzdem die Frage: Warum muss man Tiere retten lernen? Und was kann man mit einem solchen Zertifikat anfangen, solange der Begriff Tierschützer kein geschützter Titel ist? Immerhin kostet der Kurs 1390 Franken.

Das hab ich dann auch Susy Utzinger gefragt, die sich in diesem Blog bereits vor einiger Zeit zum Thema “wirksamer Tierschutz” geäussert hat. Susy ist mit ihrer Tierschutz-Stiftung im In- und Ausland aktiv und gestaltet als Referentin mehrerer Themenblöcke den Lehrgang mit.

Wieso braucht’s denn eine Ausbildung, um Tiere zu schützen? Bis jetzt hat der Tierschutz doch auch ohne funktioniert ….
Diese Frage verdeutlicht bereits das Problem, das im Bereich des Tierschutzes rund um Heimtiere besteht: Viele Menschen gehen davon aus, dass das Betreiben von Tierschutz etwas ist, was jeder von Natur aus kann. Automechaniker, Dachdecker, Krankenschwestern und auch Schreiner machen eine Lehre – Tierschützer hingegen, die machen in vielen Fällen einfach “mal so irgend etwas” nebenbei. Und weil viele Menschen einfach “mal so” im Tierschutz vor sich hin probieren, wird die Arbeit von Tierschützern in der Öffentlichkeit wenig anerkannt und häufig belächelt. Viel schlimmer aber ist, dass hier Probleme für diejenigen entstehen, die doch eigentlich geschützt werden sollen: für die Tiere! Ein sehr grosser Teil unserer aktuellen Tierschutzprobleme im Heimtierbereich werden nämlich von selbsternannten Tierschützern verursacht: Massenimporte aus dem Ausland, falsche Platzierung von heimatlosen Tieren, fehlmotivierte und unsachgemässe Mithilfe in Tierheimen, die oft sogar damit endet, dass in einzelnen Tierheimen gar keine freiwilligen Helfer mehr zugelassen werden. Wer glaubt, Tierschutz könne man “einfach mal so mit Probieren” erlernen, der setzt fahrlässig Tierleben aufs Spiel. Und wer – überspitzt formuliert – davon ausgeht, Tierschutz bestehe daraus, möglichst viele Menschen sehr unhöflich anzugehen und lauthals gegen alles mögliche zu demonstrieren, der schiesst ebenfalls am Ziel vorbei.

Und daran soll ein Lehrgang etwas ändern können?
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Tierliebe, Einsatzwille und Mitleid sind wunderbare Beweggründe, sich im Bereich des Tierschutzes zu engagieren, sie können aber lediglich die Initialzündung für eine wirkungsvolle Tierschutzarbeit sein. Damit die Tierschutzarbeit sinnvoll aufgebaut werden kann, sind ausserdem viel und umfassendes Fachwissen, Verstand und Ausdauer erforderlich.

Tierschutz ist ein weites Feld und betrifft viele Tierarten. Warum geht es in diesem Lehrgang hauptsächlich um Heimtiere?
In diesem Lehrgang werden die Basiskenntnisse für aktive Tierschutz- und Arbeitseinsätze in Tierheimen vermittelt und da trifft man vorwiegend auf Hunde und Katzen und zum Teil auch auf die sogenannten “kleinen Heimtiere”. Es wäre aber auf jeden Fall sehr wünschenswert, in weiteren Modulen auch Kenntnisse rund um Nutztiere zu vermitteln und zusätzlich sind natürlich auch Versuchstiere sowie Pelztiere ein Thema.

Wer sich für den Lehrgang interessiert, muss neben Geld auch Zeit investieren, einerseits für die Präsenztage, andererseits für die Prüfungsvorbereitung. Wie hoch schätzt du den zeitlichen Aufwand in etwa ein?
Die einzelnen Kurstage und ihre Inhalte sind auf der Website ausführlich aufgelistet. Neben den geplanten acht Kurstagen und dem Prüfungstag, die über das ganze Jahr verteilt sind, wird es natürlich nötig sein, dass die Teilnehmer die Inhalte aus den Vorlesungen lernen und damit im Fachwissen, über das ein Tierschützer oder eine Tierschützerin verfügen muss, sattelfest werden. Je nach Vorkenntnissen und Erfahrungen, die die einzelnen Personen mitbringen, wird dies mehr oder weniger Lernaufwand bedeuten.

Der Titel “Tierschutz-Fachkraft” ist nicht geschützt. Was bringt mir dann dieses Zertifikat?
Das Zertifikat “Tierschutz-Fachkraft” ist formal betrachtet lediglich die Bestätigung über den absolvierten Kurs-Inhalt und den bestandenen Abschlusstest dieses Lehrganges. Das im Kurs erworbene Wissen hingegen macht aus Tierfreunden wertvolle Tierschutzfachkräfte, die für die Unterstützung von Tierschutzprojekten gesucht und begehrt sind. Helferinnen und Helfer mit einer solchen Wissensgrundlage sind für viele Tierschutzorganisationen äusserst wertvoll und für die effiziente Umsetzung von Projekten enorm wichtig. Auch in den Tierschutzeinsätzen unserer Stiftung bevorzugen wir Tierfreunde mit einem breiten Grundwissen, das sie in die Tat umzusetzen wissen. Denn nur wer dieses Grundwissen mitbringt, ist in der Lage, die Verantwortung für ein Projekt mitzutragen und es letztlich zum Erfolg zu führen. Je härter es zur Sache geht und je anspruchsvoller die Tierschutzarbeit ist, desto weniger haben ausserdem die Fach-Teams in einem Einsatz die Zeit und die Kraft, einzelne Helfer während eines Einsatzes auszubilden, viele Fragen zu beantworten oder sich sogar Grundsatzdiskussionen mit Laien-Helfern und Helferinnen zu stellen. Kurzum: Wem eine nachhaltig wirksame Tierschutzarbeit am Herzen liegt, kann dieses Ziel nur mit einem fundierten Basiswissen erreichen. Insofern dient der Lehrgang letztlich nur in zweiter Linie dem Erwerb eines Zertifikats. Sondern vielmehr denen, um die es doch letztlich uns allen gehen muss: den Tieren, ihrem Wohl und möglichst effizienten und fachgerechten Lösungen für die zahlreichen Herausforderungen im heutigen Tierschutz. 

23. Januar 2012

“Connyland”-Delfine starben wegen Gehirnschädigung

Weil ihr Gehirn durch ein Antibiotikum geschädigt worden ist, sind im November 2011 im Freizeitpark “Connyland” in Lipperswil zwei Delfine verendet, wie die Thurgauer Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Gegen zwei Tierärzte wurde eine Untersuchung eröffnet.

Im November vergangenen Jahrs verendeten im “Connyland” innerhalb einer Woche die beiden Delfine Shadow und Chelmers. Um die Todesursache zu klären, gab die Staatsanwaltschaft Thurgau ein Gutachten beim Institut für Veterinärpathologie der Universität Zürich in Auftrag. Am Montag wurden die Ergebnisse bekanntgegeben.

Eine Vergiftung der beiden Tiere durch Dritte könne ausgeschlossen werden, heisst es im Communiqué der Staatsanwaltschaft. Die Delfine hätten durch die Verabreichung eines Antibiotikums eine Schädigung des Gehirns erlitten und seien schliesslich daran verendet.

Ob den Tierärzten, die das Medikament verordnet hatten, ein strafrechtlich relevantes Verhalten anzulasten ist, sei Gegenstand der laufenden Untersuchungen, heisst es im Communiqué weiter.

In Zusammenhang mit den toten Delfinen waren beim “Connyland” Drohungen eingegangen. Sie stammten von einer 28-jährigen Frau. Die Einzeltäterin habe keinerlei Beziehungen zum “Connyland” oder zu Tierschutzorganisationen. Gegen die Frau wurde ein Verfahren wegen Drohung eingeleitet, wie die Thurgauer Staatsanwaltschaft meldete.

(Quelle: Bluewin/News)

22. Januar 2012

Basi findet seine Traumwurst

Wer in diesem Blog auch die Kommentare liest, wird mitbekommen haben, dass eine gewisse Anita die superlativ monströsen Dimensionen von Basis Beisswurst mit dem Hinweis auf ein in ihrem Besitz befindliches Modell angezweifelt hat. Und das mit den äusserst kühnen Worten: …”da ist die auf dem Foto gleich eine Miniaturausgabe dagegen!” Immerhin würde sie den Vergleich nicht scheuen, denn sie versprach, beim nächsten Pfötlibesuch, die einzige wirklich riesige Beisswurst bei Basi abzugeben.

Anita mit ihren ersten Hunden Odin und Rambo

Dazu muss man vielleicht noch wissen, dass Anita Teilzeit die Einsatzzentrale des TierRettungsDienstes leitet – mir und im Pfötli also keine Unbekannte ist -, hauptamtlich und mit ihrer Erfahrung als Eidg. Dipl. Tiermedizinische Praxisassistentin aber Chefin der Happy Holidays-Heimtierbetreuung ist. Und mit Cita uns Beni selber zwei Hunde hat. Sich von daher bei Beisswürsten auskennt. Ergo war ihre Herausforderung, die “Beisswurst-Challenge”, ernst zu nehmen.

Und Tatsache: gestern morgen übergab mir Chrigi ein durchaus nicht gerade klein geratenes Modell in Schwarz. Mit einer persönlichen Widmung.

Die kann’s nur für einen geben: Anitas Wettbewerbsbeisswurst mit Anschrift

So für sich betrachtet hatte die Herausfordererbeisswurst gute Chancen: Sie war von herausragender Länge, verfügte wie Basis Leib- und Magenmodell über zwei Schlaufen und war insgesamt wie offensichtlich für Hunde grösser gleich Basi gedacht.

Die Wurst im Grossen und Ganzen

Der direkte Vergleich liess dann jedoch keinerlei Zweifel zu: Anita hatte mit ihrer Beisswurst den Mund – im wahrsten Sinne – doch ein wenig voll genommen, von wegen “.. im Vergleich eine Miniaturausgabe ….”

Das muss ich, glaub ich, nicht weiter kommentieren!

Die wirkliche “Gross-artigkeit” vergleichen, bei der es bekanntlich auf mehr als die blosse Grösse ankommt, das konnte letztlich nur unser “Connaisseur du bon Beisswurst”, Basi himself. Also habe ich ihn zur Anprobe in den Pfötlihof gebeten.

Hier das bisherige Modell im Trage- und Stylingtest:

“Mmpfff….”

Nun ja, solide, würde ich mal sagen. Vielleicht ein wenig hart im Kontrast zu Basis Fellfarbe, und blasses Wüstensandbeige zählt nicht zwingend zu den angesagten Farben der Saison. Hat aber wiederum den Vorteil der relativ guten Sichtbarkeit, ein Pluspunkt, denn Basi stellt sich vor lauter aufgeregtem “Beisswurstfindenwollen” manchmal blinder an als er ist. Was den Tragekomfort angeht, da überzeugt das Modell den Träger offensichtlich nicht so ganz, Basi macht den Eindruck, kurz vor einer Kiefersperre zu stehen. Guckt entsprechend ein klitzkleinbisschen gequält, der Junge. Okay, jetzt mal Anitas Modell.

:-)

Dass Schwarz nie wirklich aus der Mode kommt, ist ja nur mal das eine. Aber hier gehen darüber hinaus Wurst und Hund eine farbliche Symbiose von geradezu klassischer Eleganz ein, das Schwarz lässt Basi insgesamt weicher wirken, schmeichelt seinem Teint, rundet den Kopf seitlich ab, was ihn optisch schlanker erscheinen lässt. Der Tragekomfort ist offensichtlich, dank natürlicher Haltesymmetrie und reduziertem Umfang. Das Ergebnis: Ein Basi mit deutlich entspannterer Mimik.

Aber noch stand dem schicken Modell der Belastungstest bevor, würde es die Wurf-, Apportier- und Schüttelstrapazen überstehen, was war mit Flugverhalten, Transporteignung in der Bewegung und Sichtbarkeit?? Wie würde Basis Urteil ausfallen, war die Wurst nicht nur schön, sondern auch noch gut? Hier ein filmischer Ausschnitt von Basis Prüfverfahren:

Ungefähr nach eine halben Stunde intensivem Stresstest stand das Ergebnis fest: sie mag nicht grösser sein, die Beisswurst von Anita, und Schwarz ist sie nach einer gewissen Zeit auch nicht mehr, aber sie ist einiges besser als jede andere, die Basi bisher zwischen den Zähnen hatte, daher sein Testurteil: Die oder keine!

In dem Fall also die!

DANKE ANITA!!!!!

:-) :-) :-)

20. Januar 2012

Danke!!

Es ist Zeit, Danke zu sagen. Vorgestern hatte ich eine sehr glückliche Prisca Hollenstein am Telefon, die Resonanz auf “Listenhundehilfe-Schweiz: Letzte Hoffnung für Hunde ohne Lobby” war offensichtlich ganz wunderbar, der Verein kann jetzt auf die Unterstützung von ein paar Spendern und Paten mehr zählen und damit seine Arbeit für die vergessenen Listenhunde fortsetzen. Die Situation hat sich ein wenig entspannt, ebenso wie Prisca, die jetzt nicht mehr jedes Mal zusammenzuckt, wenn das Telefon klingelt.

Euch allen, die ihr mit einer Patenschaft oder einer Spende dazu beigetragen habt, dass sich die Listenhunde-Hilfe Schweiz auch weiterhin für die Opfer des Rassenverbots engagieren kann, meinerseits ein aufrichtiges, grosses Dankeschön. Und danke euch allen, die ihr den Beitrag auf eure Facebookseiten gepostet und so mit dazu beigetragen habt, dass möglichst viele Menschen von der Arbeit der Listenhunde-Hilfe erfahren haben. Ich war ehrlich gesagt total von den Socken, wie viele positive und “tatkräftige” Reaktionenen ich allein in meinem nächsten Umfeld bekommen habe: meine annabelle-Kollegin Evelyne und ihr Freund Basi (!) (den beiden gehört ein traumhafter Riesenschnauzer namens “Rüedu”) haben sich spontan entschlossen zu helfen; ebenso Eva, die ihre Samstage im Pfötlieinsatz verbringt, und sie hat gleich noch ein paar ihre Kolleginnen und Kollegen an Bord geholt; Karin von Karin & Sharon hat ihren Freunden und Kolleginnen ein Mail geschrieben mit der Bitte, statt eines Geschenks zu ihrem bevorstehenden Geburtstag der Listenhunde-Hilfe Geld zu spenden. Wow!

Dass Prisca Hollenstein und ihr Team sich auch in Zukunft über jegliche Unterstützung freuen, muss ich ja eigentlich nicht extra betonen. (Kann aber auch nicht schaden …)

Herzlichen Dank auch an Susy von der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz SUST und an die Stiftung für das Tier im Recht TIR, die auf ihren Social Media Kanälen ebenfalls auf meinen Listenhunde-Post verlinkt haben. Was ziemlich grossartig und überhaupt nicht selbstverständlich ist, umso mehr aber ein gutes Beispiel für den Gedanken, dass wirksamer Tierschutz Zusammenarbeit braucht.

Und nicht zu vergessen all jene, die mit Listenhunden nichts am Hut haben, sie für überflüssig oder gar grundsätzlich gefährlich halten, trotzdem aber den Beitrag gelesen und am Ende vielleicht ein wenig nachdenklicher, ein wenig weniger schnell in der Verurteilung geworden sind. Euch und Ihnen gilt mein ganz besonderer Dank und Respekt.

Es wäre schön, würde daraus ein Gespräch entstehen.

(P.S. Das ist übrigens wieder mein Patenmädchen Jersy!)

Zum Schluss und zur Freude aller rassenunabhängiger Hundefreunde dieses Video, das ich auf der Facebookseite der Listenhunde-Hilfe gefunden habe, original aber von VW ist. Bei dem Video handelt es sich um den Trailer zu einem Werbespot, dessen Thema  die Star-Wars-Saga ist. Titel des Trailers: “The Bark Side”. Bei der A-Capella-Darbietung der 11 x 4beiner handelt es sich um eine Coverversion des “Imperial March”, bekannt auch als die Hymne des Bösen in Star Wars.

May the dogs be with you :-)

19. Januar 2012

Lovesong-Rap für einen Hund

Gerade beim Rumstöbern auf der Facebookseite der Listehunde-Freunde gefunden, ein Love-Song-Rap von Till Sunrise über seine zwölfjährige Listenhündin.

Nehme mal an, das Stück hat nicht die Charts gestürmt. Trotzdem finde ich solche “Bekennervideos” natürlich grossartig, und das hier ist deswegen so supernett, weil mit “Sie ist noch wie ein Kind” ein Liebeslied als Rap daherkommt, und Rap traditionell nicht gerade zarte Gefühle vertont. So wie Rapper auch nicht unbedingt idealtypische Hundehalter darstellen und leider das ihrige zum “Kampfhund”-Image von Pit & Co. beigetragen haben.

Übrigens und wenig überraschend war mir Till Sunrise kein Begriff, was sich auch nicht wirklich geändert hat, als ich zwecks Kennenlernen auf seine Myspace Seite gegoogelt bin – und ab da nur noch Bahnhof verstanden habe. Hier mal ein Auszug aus seiner “Bio”: Aufgewachsen mit NWA ((hä???? NacktWanderndenAlbinos?? NichtWichtigenAnarchisten?? NordWestAndalusiern)), herangezüchtet mit Konkret Finn ((Nahrungsmittelergänzung für Finnenbabies ab sechs Wochen??)) und relaxed geworden mit Dirty South Mukke ((öhmmm … ein Ritalin-Generikum?)), vereint Till Sunrise Straßensound mit Clubtauglichkeit. Seine vom Straßenhumor ((Sagt die eine Ampel zur anderen ..?)) geprägten und mit stark südhessischem Akzent ausgetragenen Lyrics ((i. S. von “um etwas Geld zu verdienen, trug er während des Studiums Lyrics aus”?)), heben ihn deutlich von den gängigen Rap-Styles anderer Emcees ((anderer Südhessen??)) ab und verleihen ihm so seine eigene Dimension ((und das heisst jetzt genau was?)) …”

Aber Hauptsache, die Hündin in dem Video kommt gut rüber, übrigens finde ich sie einiges cooler als Herrn Sonnenaufgang selbst (ey, no offense, Mann, ey echt!) So wie ich übrigens den lässigen Charme von John Shipes Red Nose Pit in “Pit Bull Blues” schlicht umwerfend finde. Mit ein Grund, warum ich diesen fröhlichen Blues seit dem ersten Hören nicht mehr aus Kopf und Ohren rauskriege.

12. Januar 2012

Listenhunde-Hilfe Schweiz: Letzte Hoffnung für Hunde ohne Lobby

In “Eine schöne Bescherung für Listenhunde in den Tierheimen” habe ich neulich über die Weihnachtsaktion der Listenhunde-Hilfe Schweiz berichtet. Wer ist aber diese Listenhunde-Hilfe, was macht dieser Verein eigentlich genau? Und was soll das, ausgerechnet den Hunden zu helfen, die gesetzlich in vielen Kantonen verboten sind, weil sie gemeingefährlich sind?

Wer sich ernsthaft letztere Frage stellt, hat an dieser Stelle zwei Möglichkeiten: aussteigen und sich einer anderen Seite im Weltweitweb zuwenden. Oder weiterlesen. Mindestens bis zum Ende des Kapitels “Einstimmung”. Aber Vorsicht: Weiterlesen könnte das eine oder andere Vorurteil gefährden.

Hier mal auf den Punkt gebracht meine Meinung zu dem, was die Listenhunde-Hilfe leistet: They clean up the mess. Sie übernimmt Verantwortung in einer durch das Rassenverbot geschaffenen, traurigen Realität, von der die Befürworter des Verbots wie auch die meisten Hundeliebhaber nichts wissen wollen. Oder von der sie keine Ahnung haben. Oder noch nie drüber nachgedacht. Eigentlich müsste das wertvolle, einzigartige Engagement der Listenhunde-Hilfe längst überall in der Schweiz bekannt sein. Ist es aber nicht. Und ich finde, das muss sich ändern.

Denn die Listenhunde-Hilfe Schweiz leistet landesweit Aufklärungs- und Informationsarbeit, was das Thema in all seinen Aspekten angeht. Sie unterstützt Hundehalter und Behörden und kümmert sich vor allem um die Hunde, um die es im Sinne eines Schutzes vor gefährlichen Hunden eigentlich gar nicht geht, weil sie de facto nicht gefährlich, aber trotzdem vom Rassenverbot betroffen sind. Und bekannter werden muss dieses Engagement vor allem, weil es akut gefährdet ist. Weil die Zahl der Hunde, die dem Verein von Behörden und Organisationen zur Obhut übergeben werden stetig steigt. Das heisst: Die Arbeit des Vereins ist bedroht, weil sie notwendiger ist und gefragter denn je!

Man mag und muss sich auch weiterhin darüber streiten, ob ein Rassenverbot sinnvoll ist. Erste Erfahrungen aus dem Kanton Zürich wie auch die Abschaffung des Verbots in anderen Ländern sprechen eher dagegen. Tatsache aber ist, dass sich die Bevölkerung einzelner Kantone dafür entschieden hat. Umso mehr muss es all jenen, die das Rassenverbot ablehnen, ein Anliegen sein, dass die Listenhunde-Hilfe Schweiz ihr Engagement fortsetzen kann. Das mindeste, was man also dafür tun kann, ist, sich über die Arbeit des Vereins zu informieren und diesen Post hier – trotz seiner zugegebenermassen anspruchsvollen Länge – bis zur letzten Zeile zu lesen. Und sich im besten Fall am Ende zu entscheiden, die  Arbeit der Listenhunde-Hilfe zu unterstützen.  Ich hoffe, dass das viele von euch tun werden.

Heiteres und Hartes zur Einstimmung

Dieses Video “Pit Bull Blues” von John Shipe ist ein wunderbarer Gute-Laune-Einstieg in ein ansonsten eher düsteres Thema, der allen vorurteilsfreien Hundefreunden Spass machen wird, den Listenhundefans sowieso. Auf Youtube hochgeladen wurde der Song von  Doggy TV, mit folgendem Kommentar: “Ich hoffe, euch gefällt Pit Bull Blues von John Shipe, er ist  mit Abstand der beste Song über Pitbulls, den ich je gehört habe. Wie die meisten Menschen wusste ich bis vor kurzem nicht, was für grossartige Hunde Pitbulls sind. Wie mein Freund “Dog Man” zu sagen pflegt: “Nicht der Hund, sondern sein Besitzer ist das Problem und Pitbulls sind keine Hunde für jedermann.”

Zur düsteren Seite des Themas. Dass die “Kampfhunde”-Problematik mit uns Menschen und nicht mit einzelnen Hunderassen zu tun hat, das zeigt dieser Film. Er ist schwerste Kost, eine Zumutung und nichts für empfindsame Gemüter. Prisca Hollenstein, Präsidentin der Listenhunde-Hilfe, hat mich gewarnt, dass einige das Video als Beweis für die Gefährlichkeit der Listenhunde uminterpretieren und mich heftig kritisieren werden. Damit kann ich umgehen. Zumal es sich bei denen, die den Film zu ihrem Vor(ur)teil auslegen, um die Sorte Meinungsträger handelt, die etwas weiter oben den Ausstieg aus diesem Beitrag verpasst haben.

Ich nehme das Risiko der mutwilligen Fehlinterpretation deshalb in Kauf, weil der Film eben genau widerlegt, dass Listenhunde von Natur aus bösartig sind. Wer sich bisher von diesem Vorurteil mangels Gegenbeweis nicht trennen mochte, grundsätzlich aber bereit ist, sich mit der Realität auseinander zu setzen, dem lege ich diesen Film in seine ganzen Unerträglichkeit ans Herz. Er macht klar, dass eine Prävention, die auf dem Rassenverbot basiert nicht wirksam sein kann. Weil der Ansatz falsch ist. Wir müssen vor jedem gefährlichen Hund soweit wie möglich geschützt werden, unabhängig von seiner Rasse. Vor allem aber vor den Menschen, die Hunde erst zu einer Gefahr machen.

Wer sich den Film nicht zutraut erhält mit der  Geschichte der Hündin Bomo einen Eindruck vom Schicksal der Listenhunde hierzulande, sie wurde in der Zeitung des Aargauischen Tierschutzvereins ATs veröffentlicht. (Bomo hat nach langem Warten mittlerweile ein neues Zuhause gefunden).

Eine Chance für die Sharons unter den Listenhunden

Also, was macht Listenhunde-Freunde Schweiz? Verkürzt gesagt kümmert sich dieser Verein um die Opfer des Rassenverbots. Dazu zählen einerseits alle Hunde der in manchen Kantonen verbotenen Rassen, die sich nichts weiter haben zuschulden kommen lassen, als eben zu einer dieser Rassen zu gehören. Von ihren Besitzern aber ausgesetzt oder in Tierheimen abgegeben werden, weil sie die Ächtung ihres Umfelds nicht aushalten oder mit der Haltung überfordert sind. Was einem mit jedem Hund blüht, so man sich mit den Bedürfnissen der Rasse nicht auskennt oder weder Zeit noch Lust hat, sich entsprechend mit dem Tier zu beschäftigen. Nur haben Pits und Staffies im Unterschied zu allen anderen heimatlosen Hunden heute kaum noch eine Chance auf einen Platz im Tierheim, weil ihre Vermittlungsaussichten gegenwärtig mehr als schlecht sind. Zu den ausgesetzten oder abgegebenen Hunden kommen andererseits noch die, die aus einer schlechten Haltung heraus beschlagnahmt werden. Was ja an sich ein grosses Glück ist. Ausser eben für einen Listenhund. Auch wenn es sich dabei um den schönsten, sozialsten, klügsten, verschmustesten, mit Hund und Mensch verträglichsten Vierbeiner handelt. Das ist der wahre Pit Bull Blues!

Ums mal anschaulich zu machen: Ein Sharon würde heute in einem Tierheim vermutlich immer noch auf seine Chance warten zeigen zu können, dass er in jeder Hinsicht ein traumhafter Hund ist. Und das Zeug zum annabelle-Supermodel hat!

Prisca Hollenstein engagiert sich mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern dafür, dass die Sharons unter den Listenhunden ihre Chance bekommen. Der Verein arbeitet eng mit Tierheimen, Veterinärämtern und kantonalen Behören zusammen, organisiert Pflegeplätze und tut alles Menschenmögliche, das Image dieser Rassen durch Öffentlichkeitsarbeit, Information und Beratung wieder der Realität  näher zu bringen. Und er steht Haltern und Interessierten mit zahlreichen Informationen und Adressen von Hundeschulen, Ferienpensionen und Tierärzten zur Seite, die ihre Dienstleitungen vorurteilsfrei erbringen sowie mit seinem fundierten Know-how über die unterschiedlichen rechtlichen Situationen in den einzelnen Kantonen.

Kein Propagandaverein für Listenhunde

Ich habe Prisca durch ihre Kommentare auf meinem Blog kennengelernt. Wir haben einige Male hin- und hergemailt und miteinander telefoniert, und bei einem dieser Telefonate hat sie mir seinerzeit von ihrem Projekt erzählt, eine Informations- und Vermittlungsplattform für Listenhunde ins Leben zu rufen. Auf der Hund 2011 habe ich sie und ihre Mitstreiter dann persönlich kennengelernt und seither verfolge ich die Arbeit der Listenhunde-Freunde. Was mich in den zahlreichen Gesprächen mit Prisca vor allem überzeugt hat, ist das hohe Verantwortungsbewusstsein, mit dem dieser Verein sich engagiert.

So eindeutig die Listenhunde-Hilfe Schweiz das Verbot ganzer Rassen ablehnt, so weit ist sie davon entfernt, Listenhunde zu verklären oder die bestehenden Probleme zu verharmlosen. Auf “der Liste” des Vereins stehen keine ganzen Rassen, sehr wohl aber gefährliche Hunde – aller Rassen inklusive der Listenhunde. Konkret bedeutet das:  Wird ein Hund von der Listenhunde-Hilfe und den konsultierten Experten aufgrund seiner Vorgeschichte und seines Verhaltens als gefährlich eingeschätzt, wird eine Aufnahme oder gar Weitervermittlung abgelehnt. Das hat dem Verein Kritik bis hin zu Drohungen seitens gewisser Tierschützer eingebracht, die den Tierschutz offenbar über den Menschenschutz stellen.

Diese Sorte von Tierschützern erweist den Listenhunden ganz klar einen Bärendienst. Und lenkt reichlich Wasser auf die Mühlen der Rassenverbot-Befürworter. Denn jeder noch so kleine Vorfall mit einem Vertreter der vielerorts verbotenen Rassen wird dazu führen, dass die noch “freien” Kantone ein Verbot in Erwägung ziehen. Umso mehr ist die Haltung der Listenhunde-Hilfe die einzig richtige. Zumal diese Haltung den Verein für die zuständigen Behörden und Institutionen zu einem seriösen, sachverständigen und diskussionsfähigen Gesprächspartner macht. Das ist entscheidend in einer Zeit, in der Listenhunde weder in der Gesellschaft eine Lobby haben noch in der Politik. (Aus den Missständen, die das Rassenverbot verursacht hat, lässt sich bei der derzeitigen Stimmungslage in der Bevölkerung nun mal kein politisches oder mediales Kapital schlagen.)

Hinsehen, wo andere wegsehen

Und so sind sie ausgeblendet aus dem öffentlichen Bewusstsein, die zahlreichen gesunden, unauffälligen und sozialverträglichen Hunde in den Tierheimen, deren einziger “Fehler” es ist, zu einer der menschengemachten “gefährlichen Rassen” zu gehören. Mit den Konsequenzen des Rassenverbots ebenfalls allein gelassen sind aber auch all die Tierheime, die diese Hunde aufnehmen. Weil sie ihren tierschützerischen Auftrag ebenso ernst nehmen wie unser Tierschutzgesetz, das ausdrücklich festhält, dass Tiere keine Sache sind und auch entsprechend behandelt werden müssen.

Und genau hier, wo wir wegsehen, schaut die Listenhunde-Hilfe hin, ist zur Stelle, engagiert sich und übernimmt die Verantwortung, die eigentlich unsere wäre, als Stimmvolk, das sich in einzelnen Kantonen für ein Rassenverbot entschieden hat. Diese Verantwortung hat nur im engeren Sinn etwas mit Listenhunden zu tun. Viel mehr geht es um die Verantwortung für die Konsequenzen einer Entscheidung, die eine Mehrheit von uns getroffen hat.

Was wir aber tun können, ist, die zu unterstützen, die diese Verantwortung für uns wahrnehmen. Für mich als Kritikerin des Rassenverbots ist diese Unterstützung nicht so sehr eine Verpflichtung, sondern vor allem eine Chance, trotz der derzeitigen gesetzlichen Gegebenheiten etwas tun zu können.

“Es graut mich derzeit, das Telefon abzunehmen …”

Diese Chance ist jedoch akut gefährdet. Deshalb hat sich Prisca mit folgendem Aufruf an die Besucher der Listenhunde-Website gewandt:

“Das dieser Tag einmal kommen würde, das waren wir uns eigentlich bewusst. Trotzdem ist es  furchtbar, wenn er dann tatsächlich da ist. Und noch furchtbarer, die erforderliche Entscheidung zu treffen, aber es geht nicht anders: Wir haben zur Zeit Aufnahmestopp!! Vor einigen Tagen kontaktierte uns das Veterinäramt Zürich. Es ging um eine Amstaff-Hündin, welche nun zur Vermittlung frei gegeben ist. Wir hatten zu dem Zeitpunkt vier Hunde mit monatlichen Kosten von 1 100 Franken nur für Futter und Unterbringung. Diese Kosten lagen noch knapp in unserem Budget. Doch dann kam die nächste Anfrage vom Veterinäramt Zürich, wieder eine Hündin, wir hatten einen Tag Zeit, eine Unterbringung für sie zu finden. Eigentlich unmöglich, denn wir waren definitiv am Limit unserer finanziellen Möglichkeiten. Aber wir haben trotzdem nicht aufgegeben, alles versucht, und so darf die Hündin noch länger im Tierheim bleiben (kostenlos!! Vielen Dank!), bis von dort aus ein Zuhause gefunden hat oder wir wieder einen freien Platz haben. Aber noch am Abend des selben Tages erreichte uns die Anfrage des Vet-Amtes St. Gallen, ein sechs Monate alter Pitbull-Rüde würde bald einen Platz brauchen, und heute meldet sich das Vet-Amt Aargau, es steht eine Beschlagnahmung an … Es geht nicht mehr. Bei den aktuellen Hunden können wir noch etwas bewegen, aber es reisst zu Zeit einfach nicht ab mit den Anfragen. Wir müssen jetzt erst einmal für unsere Hunde ein Zuhause finden, bevor wir neuen Hunden eine Chance geben können.

Die Kosten für unsere drei Schützlinge Jersy, Leila und Deleila belaufen sich auf aktuell 1 450 Franken (dass drei Hunde mehr kosten als vier hat mit den unterschiedlichen Pensionstarifen zu tun). Dieses Geld können wir dank unserer Gönner und Paten gerade aufbringen. Es dürfen aber keine ausserordentlichen Kosten anfallen, zum Beispiel für tierärztliche Behandlungen wie Impfungen oder Entwurmungen.

Wir sind nicht die, die gerne um Geld betteln. Gar nicht. Aber bitte machen Sie unsere Patenschaftsprojekte bekannt! Wir brauchen Ihre Hilfe! Es graut mich jedes Mal, das Telefon abzunehmen, aus Angst, dass der nächste Hund kommt und ich endgültig sagen muss: ”Tut mir leid, wir können uns keinen weiteren Hund leisten”.

Wir können nicht alle retten, aber wir können es versuchen. Allerdings nicht zu dem Preis, dass wir den Verein in einem halben Jahr schliessen müssen, weil wir bankrott sind. Oder wir es mit den Tierheimen/Pensionen verspielt haben, weil sie ihr versprochenes Geld nicht erhalten haben.

Von daher: Bitte erzählen Sie von uns. Erzählen Sie von unseren Hunden. Wir packen das, da bin ich mir sicher!!!”

Geht’s denn nicht auch billiger?

Leider nein. Und das aus gutem Grund. Der Verein sucht ständig nach Plätzen für Hunde, die ihnen von Veterinärämtern oder Privatpersonen in die Obhut übergegeben werden. Da es sich dabei in der Regel um Hunde handelt, über deren Wesen und Verhalten erst einmal wenig bis nichts bekannt ist, legt Prisca Hollenstein grossen Wert darauf, sie in einem ersten Schritt an Plätzen mit professioneller Betreuung unterzubringen. Um möglichst viel über die Hunde in Erfahrung zu bringen, ihnen eine artgerechte Unterbringung mit einer festen Bezugsperson und Trainings inklusive dem Besuch einer Hundeschule zu bieten. Und diese Bedingungen erfüllen in der Regel nur gute Tierheime. Erst wenn die Betreuer den Hund ausreichend einschätzen können und feststeht, dass er keine Gefährdung darstellt, verantwortet der Verein eine Abgabe an einen privaten Pflegeplatz.

Aber die Unterbringung und Betreuung eines Listenhundes verursacht einiges an Kosten. Und längst nicht aller Tierheime sind bereit, Listenhunde aufzunehmen, was vor allem in den Kantonen verständlich ist, in denen diese Hund verboten sind. Und die Tierheime, die dazu bereit sind, sind meist schon bis unters Dach mit Hunden belegt. Und haben sie einen freien Platz, könnten sie sich eigentlich gar nicht leisten, den mit einem Listenhund zu besetzen. Denn aufgrund der schlechten Vermittlungschancen wird er zum Langzeitgast und einem für die Tierheime unkalkulierbaren Kostenfaktor.

Deshalb übernimmt die Listenhunde-Hilfe die Verpflegungskosten für die Schützlinge, die sie in Tierheimen oder -pensionen unterbringen können. Bisher war der Verein dank seiner Gönner und Paten in der Lage, das erforderliche Geld aufzubringen, um die monatlichen Kosten zu decken.

Doch jetzt bringt jeder weitere Hund die Listenhunde-Hilfe in Schwierigkeiten – wenn sich nicht mehr Menschen bereit erklären, die Arbeit von Prisca und ihrem Team unterstützen.

Das können wir tun: Weitersagen und Pate oder Patin werden

Darf ich vorstellen, das ist Jersy, ein eineinhalbjähriges Pitbullmädchen, dessen Halter sich um eine Bewilligung genauso wenig scherte wie um eine gute Haltung. Jersy spielt ausserdem neben einem wenig talentierten Karton und einer Handvoll Schweineohren die Hauptrolle in “Jersy packt aus”.

Und: Jersy ist mein Patenhund. Das ist eine der Möglichkeiten, die Arbeit der Listenhunde-Hilfe Schweiz zu fördern, die Übernahme einer Patenschaft. Mit gerade mal 10 Franken pro Monat (gerne auch mehr, natürlich) ist man dabei, das entspricht umgerechnet zweieinhalb Café crème. Offen gestanden habe ich die Möglichkeit, eine Patenschaft zu übernehmen, erst vor kurzem entdeckt. Damit es anderen Interessierten nicht so geht: hier der Link zur Patenschaft und zum Info-Flyer Projekt 200×10 sowie zur Seite mit weiteren Unterstützungsmöglichkeiten.

Wer hinter der Idee des Vereins steht, kann darüber hinaus vor allem eines tun: ihn bei möglichst vielen Menschen bekannt machen. Via Facebook. Durch einen Hinweis oder Link auf diesen Post. Durch Weitersagen und Drüberreden. Durch einen Link auf die Facebookseite des Vereins, auf der man nicht nur andere engagierte Hundefans trifft, sondern auch immer mit den latest news versorgt wird, was die Aktivitäten des Vereins und das öffentliche Geschehen rund um das Thema Listenhunde angeht.

Und wer Prisca und ihr Team persönlich kennenlernen will, hat dazu beim ersten offiziellen Vereinsanlass der Listenhunde-Freunde Gelegenheit, der am 22. Januar in  Hergiswil bei Willisau stattfindet. Wenn nichts dazwischen kommt, werde ich auch da sein.

11. Januar 2012

Die Monsterbeisswurst

Wie berichtet, gehörte Basi zu den vom Listenhundenfreunde-Christkindl beschenkten Pfötlianern. Die Palette der für den Beisswurstfetischisten “tragbaren” Accessoires wurde durch ein Plüschschwein und einen Kong erweitert, und besonders dem pinken Schwein ist er in grosser Zuneigung verbunden. Seine Passion für Beisswürste ist jedoch ungeschmälert. Und es scheint, dass er nach den zahlreichen Würstchen, mit denen er sich bisher zufrieden geben musste, nun endlich ein Exemplar gefunden hat, das einem stattlichen Rottweiler in Grösse und Gewicht angemessen ist:

Um die Ausmasse von Basis neuem Lieblingsflugobjekt zu illustrieren habe ich die beiden nebeneinander gelegt. Der von mir mit diesem Beweisfoto angepeilte Grössenvergleich ist aber insofern nicht so ganz gelungen, als Basi hier wirkt, wie sein eigenes Chihuahua-Double. Aber in meiner Eigenschaft als Beisswursttransporteurin und -werferin versichere ich: Das Ding ist ein wahres Monster. In Umfang und Gewicht verhält sich diese Beisswurst zu den anderen handelsüblichen Modellen wie der A380 zu einer Cessna, wie ein Sumoringer zu einem Skispringer, wie Sir Henry zu Jimmy. Undsoweiter. Jedenfalls: Wenn Basi die vegane Gigantowurst zwischen den Zähnen hat, dann hat er im wahrsten Sinne des Wortes die Schnauze voll.

So weit, so schön für Mensch und Tier, denn ist Basi glücklich, dann bin ich es auch. Wahre Rauschzustände durchlebt Basi übrigens dann, wenn er sich das Teil ausgiebig um die Ohren semmeln kann.

Dabei vergisst er sich und die Tatsache, dass es je eine Schlaufe am Ende seiner Beute hat. Und mehr als einmal pro Spaziergang fällt Basi im gestreckten Galopp auf die Nase, weil er sich beim Ohrensemmeln in einer der beiden bösen Schlaufen verheddert hat. Worauf die Beisswurst dann erst recht drankommt. Oha! Gahts no!

Letztes Wochenende hats bekanntlich phasenweise geregnet, was so ein Wolkenfeld hergibt. Grundsätzlich bin ich eine Anhängerin von derlei fiesem Wetter (zumal ich neulich meine erste wirklich wasserdichte Hose erstanden habe!!). Allerdings kommt heftiger Regen insofern erschwerend zum Thema Megabeisswurst hinzu, dass sich das an sich schon nicht leichtgewichtige Utensil ebenso schnell wie vollständig Wasser aufsaugt und speichert wie ein Schwamm.

Während sich Basi dadurch die Freude am Apportieren und Semmeln nicht verderben lässt – im Gegenteil - erleidet meine Wurfleistung ab einem gewissen Sättigungsgrad Schiffbruch: einem volltrunkenen Albatross gleich torkelt die Wurst kurz durch die Luft, um noch in der Startphase wie angeschossen zu Boden zu gehen. Oder in einem Strauch hängen zu bleiben, was Basi regelrecht in den Wahnsinn treibt. Mit heftig wedelnder Rute scharwenzelt er vollkommen aus dem Häuschen um die Stelle herum, an der nach seinen Berechnungen seine Beute niedergegangen sein muss, aber verflixt noch eins nicht zu finden ist. Entdeckt er sie dann in unerreichbarer Höhe, versucht er, sie runterzubellen. Da sie sich aber weigert, Basi entgegen zu kommen, liegt es an mir, das gestrandete Flugobjekt umzingelt von einem hektisch rumhopsenden Rottweiler aus dem Geäst zu klauben. Ihr renitentes Verhalten büsst die Beisswurst anschliessend mit einem extralangen Um-die-Ohren-gesemmelt-werden seitens eines triumphierenden Basi.

Nur mal so aus Neugier habe ich am Sonntag nach meinem verregneten Spaziergang mit Meister Basinski die – auch optisch deutlich beanspruchte – Beisswurst auf unsere Hundewaage gelegt.

Das Ergebnis:

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass Basi, wenn er sich erst einmal ausgetobt hat an und mit der Beisswurst, schlagartig das Interesse an ihr verliert und sich seiner zweiten Passion zuwendet: Mauselöcher inhalieren und ausgraben. Damit geht Monsterbeisswurst automatisch in meine Obhut über. Letzten Sonntag habe ich also eine gut eingespeichelte, verschlammte 1-Kilo-Beisswurst durch den Regen geschleppt, dazu einen klitschnassen, bis zur Halskrause inklusive Schnauze verdreckten, aber zufriedenen Rottweiler, der es grunzend genoss, von mir in seiner Box trocken gerubbelt zu werden, während ich feststellen durfte, dass zwar meine Hose wasserdicht ist, meine Schuhe jedoch alles andere als … Aber wie gesagt: wenn Basi glücklich ist, bin ich es auch.

P.S. Nicht ganz so glücklich dürfte der beisswurstverliebte Rotti in dieser Geschichte gewesen sein, auch wenn er am Ende Glück hatte. Sachen gibts….

09. Januar 2012

Drei sensible Riesen zu Gast im Pfötli

Es gibt unzählige Theorien zur Frage, nach welchen Kriterien wir uns unseren Umgang aussuchen. Also Freunde, Kolleginnen und alle anderen, denen wir nicht genetisch verbunden sind. Eine unterschwellig bösartige Variante geht davon aus, dass wir uns mehr oder weniger unbewusst und tendenziell zu Menschen gesellen, die uns besser aussehen lassen. Kleine Männer also beispielsweise zu noch kleineren Geschlechtsgenossen. Moppelige Frauen zu dicken Damen. Undsoweiter. Persönlich halte ich von dieser Theorie ja nicht sehr viel. Sie erklärt beispielsweise nicht, warum sich Paris Hilton und Nicole Ritchie seinerzeit zusammen getan haben, die eine ist so blond wie die andere. Aber vermutlich gibt es auf diesem Planeten keine noch blonderen Lebensformen, die noch lebensfähig sind.

Das dieser Theorie innewohnende Prinzip der Relativität (nicht die von Einstein, gell), also des “weniger” oder “mehr” je nach Vergleichsmassstab, wird derzeit auf anschauliche Weise im Pfötli wirksam – und beschert einem Hund wie Rottweiler Basi die seltene Gelegenheit sich relativ wie ein Zwergpudel zu fühlen. Und das verdankt er einer relativ grossen Invasion von: drei Doggen. Namens Sir Henry, Jella und Brenda.

Ich habe mal meinen Ordner “Hund” im iphoto durchgeclickt, da sind zwar nicht alle, aber doch der grösste Teil der Gäste drin, die ich in den vergangenen sieben Jahren Pfötli kennengelernt habe. Darunter genau eine Dogge, Arita. Eine in sieben Jahren. Und jetzt: drei auf einmal. Allerdings sind die drei weder verschwistert noch verschwägert noch sonstwie miteinander bekannt. Das sieht man schon daran, dass sie jeweils einer anderen Varietät angehören, von denen es insgesamt fünf gibt bei der Deutschen Dogge.

Sir Henry, repräsentiert das Modell “gestromt”. Allzu gerne hätte ich fotografisch mal demonstriert, was es heisst, wenn einem ein Hund mit der Mindestschulterhöhe 80 cm gegenübersteht. Aber Sir Henrys Schädel ist

genauso dick wie er aussieht. Er befand es für ausreichend, sich sitzend ablichten zu lassen. Angesichts einer Gewichtsklasse von bis zu 80 Kilo gehen einem da schnell mal die Argumente aus. (Die in jeder Hinsicht umfangreichste Dogge heisst übrigens George, ist laut Guinness Buch der Rekorde auch der grösste Hund der Welt, verfügt über ein Stockmass von 1.09 und eine Länge von 2.20 Metern, Gewicht 111 Kilo. George lebt in einem Land, in dem vom Hochhaus bis zur Pizza alles ein wenig grösser ist als hierzulande: den USA.)

Sir Henrys enorme Grösse korreliert aber in keinster Weise mit einem etwaigen Bedrohungspotential für Leib und Leben der Umgebungsbevölkerung. Im Gegenteil. Der unkastrierte Rüde, der infolge eines Notfalls bei uns in Pension ist, zeigte bei seiner Ankunft das komplette Verhaltensrepertoire eines Langlöffesl namens “Angsthase”, wenn er einem ihm nicht bekannten Menschen begegnete. Gegenüber Fremden ist er bis heute sehr zurückhaltend, und sensibel sind die Riesen alle drei. Und damit wunderbar entspannend zum Rausführen, denn ihre eher ängstliche Natur macht sie sehr leinenführig. Wenn ich mich also mal von den anspruchsvollen bis anstrengenden Vierbeinern erholen will, die ein angespanntes Verhältnis zur Leine haben, dann nehm ich mir einen der XXL-er. Eine Runde lang trabt dann ein aufmerksames Pony neben mir, und sollte etwas ganz furchtbar Beunruhigendes wie ein vom Winde verwehtes Blatt unseren Weg kreuzen, dann reicht es zur Beruhigung des bis ins Mark erschrockenen Gefährten vollkommen aus, wenn ich meine Hand auf seine Schulter lege. Dabei kann ich aufrecht weitergehen. Sehr rückenschonend so eine Dogge.

Kommen wir zur – zumindest für meinen Geschmack – edelsten Rassenvariante, der blauen, und damit zu Jella,

unserem zweieinhalbjährigen Doggenfräulein, das wegen Überforderung abgegeben wurde.

Meine erste Begegnung mit Jella geschah auf Augenhöhe. Meinerseits ungewollt, aber selber verschuldet. Wie immer bei einem eher unsicheren oder ängstlichen Hund, sehe ich bei der ersten Begegnung über die ein oder andere kleinere Respektlosigkeit hinweg, damit der Vierbeiner etwas schneller Vertrauen fasst. Leider war Jella schon im Aufstieg begriffen, als mir bewusst wurde, dass “kleinere” Respektlosigkeiten bei Doggen relativ grosse Konsequenzen haben. Tja, diese Erleuchtung kam bedauerlicherweise knapp nach dem Gong, da hatte Jella mir mit ihren Krallen schon zwei rote Ralleystreifen im Gesicht verpasst, ihre dicken Pfoten auf meine Schulter abgelegt und atmete mich Nase an Nase an. In aufrechter Haltung und flachen Schuhen ist Jella genauso gross wie ich. Allerdings bedeutend schlanker.

So schlank, dass sie unbedingt etwas zulegen muss. Deshalb hat sie ein Privileg, um das sie der tiefergelegte Rest der Pfötlibelegschaft abgrundtief beneidet: Sie bekommt im Minimum drei randabschliessend gefüllte Näpfe Fressen pro Tag. Wann immer möglich inklusive menschlicher Gesellschaft, denn das Fräulein ist extrem menschenbezogen und Alleinsein schlägt ihr auf den Appetit. Einer Dogge beim Fressen beizuwohnen hat etwas, nun, sagen wir mal, “sehr Archaisches”: Die Geräuschkulisse besteht aus allem, was der Freiherr von Knigge verboten hat, der Napf wird in einem Affentempo geleert, zwischendurch kämpft sich in der Hast geschluckte Luft mit einem dampfenden Rülpser wieder zurück ins Freie. Zum Schluss wird alles noch mit einem Liter Wasser runtergespült, womit nun sämtliche Voraussetzungen erfüllt sind für einen gigantesquen, vollfeuchten und restverkrümelten Doggenknutscher, der mich geruchstechnisch bis in den Abend nicht mehr loslässt.

Auch Jella zeigte übrigens keinerlei gesteigertes Interesse, sich von mir in ganzer Körperlänge fotografieren zu lassen. Ausser in diesem doch recht privaten Moment (Entschuldigung, Jella!). Aber wo wir grad bei derlei Verrichtungen sind: Bei Doggen fällt alles grösser aus. Wenn ich mittags die Ausläufe säubere, weiss ich immer auf den ersten Blick, in welchem sich unsere Giganten aufgehalten haben. Und meist reicht ein handelsüblicher Robidogbeutel nicht aus, die Spur zu beseitigen …

Jella verfügt – ausser ihrer besonderen, durch ein sogenanntes Verdünnungsgen bedingten Farbgebung – noch über zwei weitere Auffälligkeiten:

Ihren Nacken ziert eine Art Aalstrich, könnte es sein, dass in ihrer Ahnenreihe ein Rhodesian Ridgeback einst Platz genommen hat?

Und: das Mädchen hat einen absolut entzückenden, komplett unwiderstehlichen Silberblick.

Auf meiner Gassiliste ist sie jetzt als feste “Grösse” eingetragen. Nicht zuletzt, weil sie so gut zu meiner Regenjacke passt. ;-)

Und das hier, das ist die Dritte im Bunde, Brenda, Modell “gefleckt”.

Das auf den heutigen Tag genau acht Monate alte Mädchen beendete seinen ersten Lebensabschnitt angebunden an einem Baum, daneben ein Sack Futter und ein Impfpass, aus dem hervorgeht, dass sie in Tschechien registriert ist. Nicht, dass ich unbedingt jemanden kennenlernen möchte, der seinen Hund ausgesetzt (und sich damit strafbar gemacht) hat, aber mich würde ja doch mal interessieren, was in diesem Fall der Grund war. Und warum der Sack Futter und der Impfausweis? Warum dann nicht gleich die kleine Brenda in ein Tierheim geben? Schliesslich gibt es einfach keine bessere oder schlechtere Art und Weise, ein Tier auszusetzen. Tiere aussetzen ist unter allen Umständen eine Sauerei. Aber …

lassen wir das Vergangene hinter uns und schauen mit Brenda nach vorn, in die sicherlich viel bessere Zukunft. Die damit beginnen dürfte, dass das Mädchen noch ein wenig an Höhe und Gewicht zulegen wird. Und hoffentlich auch punkto Gelassenheit.

Denn Brenda ist derzeit in typischer Teenagerlaune. Mit Unbekanntem konfrontiert hat sie Schiss bis unter die Arme, verbellt sicherheitshalber erst mal alles und jeden, ansonsten ist sie aber frech wie Käse. Neugierig. Ablenkbar. Laut. Apropos: Wenn Sir Henry, Jella und Brenda mit Bellen loslegen, da wackeln die Kacheln an den Boxenwänden. Besonders Sir Henry hat ein Organ, das einen ähnlichen Effekt aufs menschliche Zwerchfell hat wie die wummernden Basstöne eines bis zum Anschlag aufgedrehten Lautsprechers. Seeeehr beeindruckend!

Brenda ist aber in ganz anderer Hinsicht ein wahres Talent:

im Fussball.

Der folgende Film kann leider nur ansatzweise zeigen, mit welcher Leidenschaft und welchem Geschick Fräulein Brenda den Ball behandelt – “Bend it like Brenda”! Am Dribbling muss sicher noch gearbeitet werden, und im Abschluss könnte sie sicherer sein (den Zaun der Agi-Wiese trifft sie allerdings zu 100%). Aber sie ist extrem schnell, wendig und durchsetzungsstark. Wir kannten uns gerade ein paar Minuten, da hat sich mich mit Ball schon über den Haufen gepflügt. Deshalb:

“Dear FIFA and UEFA managers, hello Sepp, a lot of people have a little the mouth full of all the football players who get so much money and and are so not interested in their work, they stand around on the field and wait for the ball to come to them. We from the Pfötli in Winkel have an idea to make the people like football again: a Dog Football World Championship. And we have a hopefull talent here in our tierheim, a Great Dane with the name “Brenda”. She loves the game and does not cost a lot of money, only a bowl of food three times a day. P.S. If you are not interested, can you send us the telephone-number of the president of the world rugby-league? We have also a talent for this sport. His name is Basi!”